Millencolin - Home from home

Millencolin- Home from home

Burning Heart / Epitaph / Connected
VÖ: 11.03.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heimschwäche

Wer ein Album mit dem energetischen Aufschrei "Yeah yeah yeah yeah" eröffnet, scheint genau zu wissen, was er will: mit wenig Aufwand eine Menge Eindruck hinterlassen. Millencolin haben ihre Lektion nicht verlernt und kriegen das kleine Einmaleins immer noch im Schlaf zusammen: eine Hookline, zwei Gitarren, drei Akkorde, und ein zackiges "One, two, three, four". Mehr braucht der Punkrocker von Welt nicht, und der von Schweden schon gar nicht.

"Home from home" heißt Album Nummer fünf der Skandinavier, die ursprünglich nur gegründet wurden, um Bad Religion und Pennywise nachzueifern und den alternden Säcken mit ihren letzten Werken plötzlich mächtig Feuer unterm Hintern machen. Nachdem sie jedoch auf dem Vorgänger noch als selbstbetitelte Pioniere in die Welt gezogen sind, sind Millencolin in ihre eigenen vier Wände zurückgekehrt: Der Titeltrack von "Home from home" nämlich läßt unter Beihilfe von Bombshell Rocks-Brüllaffe Marten Cedergran keinen Zweifel, wo es auch für Millencolin am schönsten ist: "East or west? Well, home is the best!" Da wird das Bier aus dem Kühlschrank geholt, ein kräftiger Schluck genommen, herzhaft dessen Kohlensäure im Raum verteilt, die Zigarette an der Couch ausgedrückt, die Gitarre eingestöpselt und dann gemütlich drauflosgerockt.

Und wie es sich unter solchen Umständen gehört, kommt dabei auch so mancher alberner Song wie "Botanic mistress" heraus: Nikola Sarcevics Loblied an seine Grünpflanze, die ihn davon abhält, Amok zu laufen wie einst Travis Bickle ("Taxi driver") und der er damit einen musikalischen Verlobungsring über die zarten Äste stülpt. Doch bevor Millencolin den nächsten Sixpack knacken und Gefahr laufen, ein Album lallend mit Saufliedern zu füllen, krempeln sie noch einmal entschlossen die Ärmel hoch. "I gotta understand it's not me against the world no more" nehmen sie sich in der ersten Single "Kemp" vor und werfen doch alle Vorsätze gleich wieder über den Haufen. Alt wollen sie noch nicht wirken, müde schon gar nicht, und die Revolution diesmal eben vom Wohnzimmer aus anzetteln. Mit "Montego" spucken sie voller Abscheu in ignorante Gesichter und schicken in "Afghan" mit Zeilen wie "It's not enough to be second best" und "A real man's gotta show the world he's strong" eine deftige Packung über den großen Teich ins weiße Haus.

Doch jede Parole verfehlt ihre Wirkung, wenn das passende Megaphon verstopft ist und dem Bediener die Puste fehlt, um es mit ordentlich Schmackes freizublasen. Und so kommt die Botschaft - ob lustig, ob ernst - meist mit weniger Energie beim Empfänger an, als dies bei den Vorgängern noch der Fall war. Und am Ende ist es vor allem die geringe Hitdichte mit gerade mal drei wirklichen Krachern, die "Home from home" als schwächstes Album in die bislang zehnjährige Millencolin-Geschichte einreiht. Dreizehn Songs lang pendelt "Home from home" zwischen Unbekümmertheit und Ambition, zwischen altbekannten Hymnen wie "Fingers crossed" und neuen Tönen wie im gedrosselten "Battery check", zwischen Stillstand und Weiterentwicklung. "I wanna get satisfaction just like the Stones and Manu Chao" fordern Millencolin in "Greener grass". Und sind am Ende doch nur crazy wie Aerosmith und Britney Spears.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Fingers crossed
  • Botanic mistress
  • Home from home

Tracklist

  1. Man or mouse
  2. Fingers crossed
  3. Black eye
  4. Montego
  5. Punk rock rebel
  6. Kemp
  7. Botanic mistress
  8. Happiness for dogs
  9. Battery check
  10. Fuel to the flame
  11. Afghan
  12. Greener grass
  13. Home from home

Gesamtspielzeit: 37:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Fat Wreck Chords
2017-06-07 09:05:34 Uhr
I feel you, bro.

Aber leider bleibt es bei meiner Einschätzung, das jenseits von Parties, wo ich die Musik voll feiern würde, das mein ganze Skate-Punk Phase von eher mittelmäßiger Musik geprägt war.

Ich könnte dir aus dem Kopf ohne nachzudenken eine ganze Anzahl HipHopAlben nennen, die aus der selben Zeit stammen, eine ähnliche Zielgruppe ansprachen, aber mittlerweile "Konsens" Alben sind.

Skate Punk ist der Bubblegum Pop der Gitarrenmusik, macht spass aber der geschmack hält nur 5 minuten.

Betses Album von Millencolin ist Life on a Plate, gefolgt von den Pennybridge Pioneers.

Home from Home war tatsächlich schwächer.

solea

Postings: 267

Registriert seit 15.06.2013

2017-06-07 00:56:55 Uhr
Kein thread?
Für mich ein etwas unterschätzes Album der Jungs.
Black eye, fingers crossed, happiness for dogs, battery check: alles klasse songs.
Vor einigen Jahren konnte ich ihnen nichts mehr abgewinnen, nun nostaligisch Anfang den 30ern, würde ich gerne nochmal ein Konzert von ihnen sehen...
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