Screaming Trees - Last words: The final recordings

Screaming Trees- Last words: The final recordings

Sunyata / Al!ve
VÖ: 28.10.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Entscheidungslos

Die Beatles hatten ihn, Radiohead hatten ihn, ja selbst den Ramones und Bad Religion sagt man ihn nach: einen Umbruch in der musikalischen Entwicklung, der das Potenzial hat, zum schmalen Grat der eigenen Erwartungen zu werden. Ungestümes Frühwerk oder ausgereiftes Songwriting? Zwei Felder sind frei - entscheiden Sie sich jetzt! Da trippeln erwachsene Menschen schon mal wie auf heißen Kohlen, rufen huijuijui nach ihrem Schnuffeltuch und erzittern bis ins Mark vor dem einen Moment, in dem "Plopp" nun einmal "Stopp" heißt. Doch zum Glück gab es stets auch Bands, die in allen Phasen derart zu überzeugen wussten, dass die Entscheidung letztlich hinfällig wurde. So etwa Screaming Trees: Selbst wer in den 1990ern die Aufgekratztheit ihrer SST-Phase nachhaltig vermisste, wurde deshalb längst noch nicht zum Kostverächter des eher hardrockenden Psychedelic-Grunge ihrer größten kleinen Erfolge auf dem Epic-Major. "Last words: The final recordings" klärt die Situation entsprechend auch nicht - leidergottseidank.

Quasi parallel zur Bandauflösung 1998/99 aufgenommen, kursierten die Songs von "Last words: The final recordings" zunächst im Internet, wurden nun aber von Jack Endino neu gemastert und auf den Markt gehievt. Bemerkenswert ist die Kompaktheit, die das Album ab der ersten Note ausstrahlt - kein Sammelsurium, kompiliert aus Mottenkisten und Giftschränken, stattdessen der klare Wille, dem hochgepriesenen Vorgänger "Dust" noch ein weiteres Album folgen zu lassen. Vor allem diese Entschlossenheit verleiht der Platte ihre Kraft. Spürbar wird das bei den fließenden Akkordwechseln, die das Blues-Schema von "Ash gray Sunday" und "Black rose way" aufbohren. Auch die folkrockenden "Revelator" und "Reflections" überzeugen nicht nur durch Van Conners melodisches Bassspiel. Wirklich glänzende Momente, die das Album zu mehr veredeln, fehlen jedoch weitgehend.

Da wäre der wuchtige Beat von "Crawlspace", der die Gitarren zugleich unterfüttert und mit Nachdruck vor sich herschiebt. Dann "Tomorrow changes", eine herzliche Midtempo-Ballade, die mit allem auftrumpft, was zu solch einer Ballade eben dazugehört. Zudem die Reminiszenz an den Übersong "Change has come", die sich durch "Anita Grey" presst. Sowie natürlich Mark Lanegan, dessen Stimme einst genau so viel an Rotz verlor, wie er durch Volumen und Intensität wieder auffüllte. Und auch dass die Gäste vom Schlage Josh Homme und Peter Buck weder auf- noch aus dem Rahmen fallen, spricht für die Präsenz, die Screaming Trees allein und für sich hatten.

Dennoch: Songs und Melodien mit der Energie von "Nearly lost you", "Closer" oder "Sworn and broken" finden sich nicht auf "Last words: The final recordings". Damit fehlen Screaming Trees erstmals genau die Icons, die einst den Übergang von SST zu Epic siegreich gestalteten. Weit davon entfernt, überflüssig zu sein, klingt "Last words: The final recordings" dennoch nach einem Überbleibsel - allerdings nach einem, das für den Hörer keinesfalls die Eingangsfrage klärt. Und allein deshalb markiert das Album auch einen willkommenen Moment in der Bandhistorie. Danke also für diesen Trip in die eigene Ungewissheit. Ein einziges Plopp macht eben noch lange keinen Unterschied.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Crawlspace
  • Tomorrow changes
  • Anita Grey

Tracklist

  1. Ash gray sunday
  2. Door into summer
  3. Revelator
  4. Crawlspace
  5. Black rose way
  6. Reflections
  7. Tomorrow changes
  8. Low life
  9. Anita Grey
  10. Last words

Gesamtspielzeit: 38:49 min.

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