Trillian - Creature teacher

Trillian- Creature teacher

LaLa / Broken Silence
VÖ: 28.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Exzentriker unter sich

Früher war alles so einfach. Da gab es noch klare Kategorien: Rock, Pop, Jazz, Metal, Punk, Reggae und so weiter. Aber anders als in der guten, alten Zeit nimmt sich heute fast jeder Künstler das Recht heraus, seine eigene Musikrichtung zu definieren, wenn ihn der Hafer sticht. Haben die Bandmitglieder also alle große Gesichtserker, wird die Mucke zum "Nose rock" erkoren. Ein "Jesus liebt Dich"-Tattoo beim Sänger reicht schon aus, um das Geschredder der Gruppe als "Christian rock" durchgehen zu lassen. Und was soll man sich nur unter "Eccentric pop" vorstellen? Musiker mit Zylindern und Monokeln, die Lieder über das Leben von Daisy Duck singen? Hier können Trillian aus Halle/Saale weiterhelfen. Eine Band, die sich genau diesem Label verschrieben hat, und sich auf ihrem neuen Album alle Mühe gibt, es mit Leben zu füllen.

Zugegeben: Wendet man die Oscar-Wilde-Definition von "Exzentrik" auf "Creature teacher" an, mag die Mischung aus knackigem Indierock, melodischem Alternative und progressivem Gefrickel wenig spektakulär anmuten. Interessant ist sie aber allemal. Zumal Trillian zwar bekannten Lehrmeistern huldigen, dabei aber trotz junger Jahre schon sehr eigenständig klingen. Mal geradlinig, mal verspielt arbeitet sich das Quartett von einem Daumen-hoch-Moment zum nächsten, von lautem Gitarrengerocke zu ausuferndem Hall-Klangteppich. Das ist in den besten Momenten des Albums nicht nur tatsächlich exzentrisch, sondern auch ziemlich gut.

Schon der Auftakt hat es mit "Periscopes trial" und "Whereabouts" in sich. Starke Riffs reiben sich an kratzbürstigen Grooves und der eindringlichen Stimme von Ramon Zarges. In "Kat's advice" wabert sogar kurz ein Offbeat durch die Szenerie, ehe der Refrain zupackt wie einst Olli Kahn beim Flankenball. Denn Trillian verstehen es, das Gaspedal durchzudrücken, wenn es der Song verlangt. Doch zu den schönsten Momenten des Albums zählen vor allem die Stellen, an denen es ruhig und besinnlich wird. "Sketches" schunkelt trotz Orchester-Untermalung gänzlich kitschfrei auf einer Welle schönster Melancholie, und trotzdem säuselt Zarges noch Zeilen wie diese: "Some may say / We could be fucking our troubles away / But to come undone / Is to stay home". Ein sanft gezupfter Bass genügt dem Sänger in "Brandon paints the sea", um ein Szenario düsterer Niedergeschlagenheit aufzubauen. Trillian haben die Schlacht schon längst gewonnen, wenn am Ende des Albums zwei Siebenminüter noch einmal alles aufbieten. Und sollte in vielen, vielen Jahren "Eccentric pop" das neue Indie sein, wird "Creature teacher" vielleicht als sein frühestes Meisterwerk gesehen. Oscar Wilde gefällt das.

(Mark Read)

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Highlights

  • Whereabouts
  • Sketches
  • Brandon paints the sea

Tracklist

  1. Periscopes trial
  2. Whereabouts
  3. Kat's advice
  4. Obélisque
  5. Sketches
  6. Izquierda
  7. Stretta (Euthanising geniuses)
  8. Brandon paints the sea
  9. Maelstrom
  10. The lunatics
  11. Let's build a spaceship

Gesamtspielzeit: 49:45 min.

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