Bill Ryder-Jones - If...

Bill Ryder-Jones- If...

Domino / GoodToGo
VÖ: 11.11.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Alles auf Anfang

Man stelle sich das mal vor: Man geht in einen Buchladen, kauft sich ein Buch, läuft nach Hause und fängt an, es zu lesen. Nachdem man sich endlich so günstig hingelegt hat, dass es bequem wird, liest man, dass man in einen Buchladen geht, ein Buch kauft, es mit nach Hause nimmt und liest, nachdem man sich günstig hingelegt hat. Und wenn man das Buch weiterliest, und es bei der spannendsten Stelle endet und von vorne beginnt, geht man ungläubig zurück in den Buchladen, die wiederum von einem Druckfehler sprechen. Also wieder nach Hause und weiterlesen, und immer wieder einen neuen Anfang finden in diesem merkwürdigen Buch, das immer wieder an der tollsten Stelle endet und neu beginnt. Das gibt es tatsächlich genau so bei Italo Calvinos "Wenn ein Reisender in einer Winternacht". Warum das hier so wichtig ist? Weil es als inspirierende Vorlage für "If..." gilt, das Solodebüt von Bill Ryder-Jones

Der ehemalige Gitarrist von The Coral macht nun sein eigenes Ding. Schon vor einer Weile zog es den 28-jährigen weg von seiner Ex-Band und deren Indie-Rock hin zur klassischen Musik. Komponierte er in den vergangenen Jahren seit seinem Ausstieg noch die Soundtracks für diverse Kurzfilme, ist "If...", dessen Titel sich an "If on a winter's night a traveler" orientiert, das erste Studioalbum. In den zehn Songs und einer guten Dreiviertelstunde Musik ist von The Coral nicht eine Sekunde etwas zu spüren, viele andere Gefühle dafür umso mehr. Piano und Streicher bestimmen die Melodien auf "If..."; Ryder-Jones singt, wenn überhaupt, nur als Begleitung zu der klassischen Instrumentierung. So etwa auf "Leaning (Star of Sweden)", das erhaben wie ein kaltes Winterdrama vor dem geistigen Auge des Hörers vorbeizieht. "Le grande désordre" gibt sich viel reduzierter und kommt natürlich ohne das angesprochende große Durcheinander aus. Nur von sachte gezupften Gitarrenklängen begleitet, singt der Engländer mehr vor sich hin, als dass er sich wirklich an ein Publikum wenden würde.

Während im Opener und Titeltrack von "If..." Ennio Morricone auf halber Strecke auftaucht und ein kleines italienisches Dorf offenbar in Angst und Schrecken versetzt, das in der ersten Hälfte des Songs noch so ruhig und beschaulich wirkte, schwankt das zittrige "The flowers #3 (Lotus)" fünf Minuten lang zwischen Hoffnung und Angst. Unterstützt durch die hektischen Streicher, hätte selbst ein Hans Zimmer in der letzten dramatischen Szene zwischen den Hauptakteuren irgendeines Filmepos' das fulminante Finale nicht besser bewerkstelligen können. Etwas feierlicher - oder zumindest fröhlicher - wird es kurz vor Schluss mit "Give me a name", bis "Some absolute end (The end)" mitsamt des kleinen, aber feinen E-Gitarren-Einsatzes genau dafür sorgt, was im Vorfeld als Inspiration für das Album herhalten musste: Im schönsten Moment endet "If..." einfach so. Aber zum Glück geht es immer wieder von vorne los.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • If...
  • Leaning (Star of Sweden)
  • Le grand désordre
  • Some absolute end (The end)

Tracklist

  1. If...
  2. The Reader (Malbork)
  3. Leaning (Star of Sweden)
  4. By the church of Apollonia
  5. Le grand désordre
  6. Enlace
  7. Intersect
  8. The flowers #3 (Lotus)
  9. Give me a name
  10. Some absolute end (The end)

Gesamtspielzeit: 44:51 min.

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