The Black Keys - El camino

The Black Keys- El camino

Nonesuch / Warner
VÖ: 02.12.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Kompromissverständnis

Wie war das eigentlich früher? Als noch niemand etwas mit den Namen Dan Auerbach und Patrick Carney anzufangen wusste? Als man noch damit prahlen konnte, eine coole Band zu kennen, von der Deine Freunde noch nie gehört hatten? Tolle Zeiten waren das. Als man am Samstagmorgen vom Club nach Hause lief und über Kopfhörer "The big come up" lief. Als das Sonics-Cover "Have love will travel" das Original ausstach und bei der Gartenparty von allen lauthals mitgegröhlt wurde, die den Text kannten. Als "Rubber factory" und "Magic potion" für die musikalische Offenbarung gehalten wurden, die andere erst später erfahren sollten, als Danger Mouse plötzlich ins Spiel kam. Das von ihm produzierte Album "Attack & release" legte 2008 nämlich den Grundstein für das, was nur zwei Jahre auf "Brothers" passieren sollte.

Zugegeben, "Brothers" überrollte die Musikwelt. Auerbach und Carney wurden zu einem Begriff, die Hommage auf ihre Freundschaft zum großen Ding. Grammy-Gewinn, ausverkaufte Hallen, 900.000 verkaufte Exemplare allein in den USA, Vertrag mit einem Majorlabel, Spitzenpositionen in den Charts. Das bis dato glatteste Album der Black Keys sorgte für den Durchbruch. Dass das nicht allen alten Fans schmecken muss - geschenkt. Dass sie im Gegenzug wahrscheinlich doppelt so viele neue dazubekommen haben - eine Tatsache. Und auf Plattentests.de? Beim Jahrespoll fand "Brothers" in den Alben-Bestenliste erst auf Platz 30 statt. Zufall oder Schicksal? Fest steht, dass sich die Black Keys nur gut eineinhalb Jahre später wieder die Ehre geben. Danger Mouse sitzt zum zweiten Mal im Boot, und die Karten werden neu gemischt.

Die Single "Lonely boy" gibt dabei einen vergleichsweise harmlosen Opener ab. Der von drei Damen gesungene Refrain, Auerbachs treibendes Gitarrenspiel und Carneys stampfendes Schlagzeug sorgen jedoch für den nötigen massentauglichen Effekt, der stilistisch an das ebenso nach vorne rasende "Strange times" vom vorletzten Album erinnert. Man sollte es ihnen danken: "Lonely boy" wurde zur Veröfferntlichung auf Last.fm doppelt so oft gespielt wie jeder andere Song der Band. Dazu beigetragen haben dürfte auch das wahnwitzige Musikvideo, dessen Ähnlichkeit zu dem einer anderen Band schwer abzustreiten ist. Im glamrockigen "Gold on the ceiling" gibt es ein kurzes Wiedersehen mit dem dreiteiligen Mädels-Chor, bis die Band mit dem tanzbaren "Sister" endgültig im Pop angekommen ist.

Dass die Black Keys von früher nicht mehr viel mit denen von heute gemeinsam haben, kann man nach einer Weile jedoch akzeptieren. So haben im Grunde nicht nur sie, sondern auch der Hörer einen Kompromiss zwischen Altbewährtem und neuer Moderne gefunden. "El camino" gibt sich durchproduzierter und glatter, als man es von früher gewohnt ist - aber auch zugänglicher. Die streckenweise aufkeimende Sperrigkeit eines Albums wie "Thickfreakness" ist vergessen, wenn das druckvolle "Hell of a season" auch ganz ohne Kampf seinen Weg ins Ohr findet und überraschenderweise in einem Ausflug in Reggae-artige Gefilde gipfelt. Für einen ähnlichen Knalleffekt sorgt "Little black submarines", das als feine Ballade anfängt, sich schlagartig zu einem Rockmonster epischen Ausmaßes entwickelt, Erinnerungen an Led Zeppelin weckt und so eine der großen Stärken der Black Keys offenbart. Nach etwas mehr als einer halben Stunde ist es dann vorbei mit siebten Studioalbum des Duos. Und während Auerbach im Endstück "Mind eraser" die Zeile "Don't let it be over" wiederholt, wird beim erneuten "Play"-Drücken eine Sache glasklar: Vom Missverständnis zum wohlgemeinten Kompromiss war es hier eigentlich nur ein kleiner Schritt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Lonely boy
  • Gold on the ceiling
  • Little black submarines
  • Hell of a season

Tracklist

  1. Lonely boy
  2. Dead and gone
  3. Gold on the ceiling
  4. Little black submarines
  5. Money maker
  6. Run right back
  7. Sister
  8. Hell of a season
  9. Stop stop
  10. Nova baby
  11. Mind eraser

Gesamtspielzeit: 38:25 min.

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