Loney Dear - Hall music

Loney Dear- Hall music

Something In Construction / Rough Trade
VÖ: 04.11.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein Poesie-Album

Der Name Tomas Tranströmer war bis vor kurzem nur begeisterten Lyrik-Rezipienten und Buchwürmern ein Begriff. Unlängst wurde der schwedische Dichter mit dem Nobelpreis für Literatur gewürdigt und erfuhr folglich einen Popularitätsschub. Nun liegen seine Werke an prominenten Stellen in den omnipräsenten Filialen deutschlandweit agierender Buchhandelsketten aus. Eines seiner Gedichte wurde jüngst gar vertont: Der ebenfalls aus Schweden stammende Singer-Songwriter Emil Svanängen, bekannt unter seinem Pseudonym Loney Dear, stellt seine Tranströmer-Huldigung, den Song "D major", in das Zentrum seines neuen Albums "Hall music". Die Akustik-Gitarre beginnt leise und dem LP-Titel entsprechend hallig, darüber legt sich die hohe Stimme Svanängens. Schüchtern und introvertiert erklingt das Stück, natürlich und pur, ganz im Geiste der Werke des großen Tranströmer.

Doch die reduzierte Entrücktheit ist mitnichten Alleinstellungsmerkmal dieses einen Songs. Nein, wahrlich nicht. Alle elf Lieder verstehen sich als verschlafene, charakterstarke Gedichte, die sich nicht künstlich oder exaltiert in den Vordergrund drängeln müssen, um ihre Wirkung zu entfalten. Die leisen und meist recht kurzen Stücke erfordern zwar auch mehr Aufmerksamkeit, haben dafür im Umkehrschluss länger Bestand. Dem Hörer kommen Assoziationen von rot angemalten Holzhütten, weiten Seen und tiefgrünen Nadelwäldern in den Sinn, musikalisch gemahnt dies mehr denn je an die letzten Alben der fantastischen Band Of Horses. Dass die Platte nun, also kurz vor Winterbeginn, erscheint, ist natürlich wieder einmal treffend, aber vermutlich schnöder Zufall: Nichtsdestotrotz feilt Svanängen weiter an seiner Vorstellung davon, wie Kaminfeuer-Folkpop zu klingen hat und kommt dabei zu einigen tollen Ergebnissen.

Eröffnet wird der Reigen mit dem zärtlichen Sehnen von "Name", welches sich nicht so recht entscheiden will, ob es denn nun eine Skizze oder doch schon ein ausgewachsenes Intro ist. Darauf folgt das mit elektronischen Farbtupfern verzierte "My heart", ein schlafwandelnder Pop-Song mit viel Geklimper und Gebimmel, der sich vielleicht sogar das selten gebrauchte Etikett "vorweihnachtlich" verdient. Wir wollen an dieser Stelle aber auch nicht zu pathetisch werden, macht sich bestimmt auch in warmen Wonnemonaten prima, Lebkuchen und Spekulatius stehen schließlich auch schon Ende August in den Supermärkten.

Das beste Stück des Albums ist das fantastische "Calm down", welches ganz langsam und behutsam Herzen in Watte packt und hoffentlich auf vielen Tapes landet, die schlaue Jungs für ihre schlauen Mädchen anfertigen. Daneben gibt es auf "Hall music" viele Momente. Also Lieder, die schlicht um eine Idee kreisen, diese aufgreifen und mit allerhand Schmuck - Glockenspiel, Bläser und sehr viel Hall auf der Stimme - veredeln. Momente eben, die keinerlei weiterer Adjektive bedürfen. Daraus wachsen elf große Szenarien, wie das orchestral instrumentierte "Durmoll" oder die Arcade-Fire-Verneigung "What have I become?", die zusammengenommen ein schlüssiges Bild ergeben. "Hall music" ist ein würdevolles Album, das mit viel Poesie in Kopf und Herz, hoffentlich bald eine größere Hörerschar begeistern wird. Auch ohne Nobelpreis.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • My heart
  • Calm down
  • Durmoll

Tracklist

  1. Name
  2. My heart
  3. Loney blues
  4. Calm down
  5. Maria, is that you?
  6. D major
  7. Largo
  8. Young hearts
  9. Durmoll
  10. I dreamed about you
  11. What have I become?

Gesamtspielzeit: 34:44 min.

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