Erdmöbel - Retrospektive

Erdmöbel- Retrospektive

Content / Edel
VÖ: 23.09.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Geflügelte Worte

"Die größte deutsche Band unserer Tage" schrieb die Süddeutsche Zeitung anlässlich der Veröffentlichung von "Krokus" im vergangenen Jahr. Doch sind Erdmöbel mitnichten die "größte deutsche Band" - aber vielleicht die beste. Der "Krokus", der 2010 als zartes Pflänzchen in die deutschsprachige Kulturlandschaft gepflanzt wurde, wächst und gedeiht weiterhin so prächtig, dass man sich an der Schönheit noch immer nicht übersättigt hat. Es ist die Qualität dieses Kölner Quartetts, solche unscheinbaren Lieder zu spielen, deren Schönheit und Würde sich mit der Zeit entfalten und die ihren Reiz stetig erneuern. Die "Retrospektive" der Erdmöbel ist folgerichtig eine der schimmerndsten Schatzkisten deutschprachiger Popmusik.

Vor 16 Jahren gründeten Markus Berges, Ekki Maas, Wolfgang Proppe und Christian Wübben die Band Erdmöbel, benannt nach dem angeblichen DDR-Wort für Särge. Die Texte von Berges, die mit Humor, ein bisschen Melancholie und wundersam schönen Bildern geschmückt sind, sind noch immer einzigartig in der deutschsprachigen Pop-Landschaft. Es sind Zeilen, die sich bei jedem Hören, bei jedem Lesen weiterspinnen, die immer fassbar sind, aber sich niemals einketten lassen. Besonders schön wurden die Ebenen dieser Texte im Kurzfilm "Das Senats Hotel" eingefangen, dem Trailer für diese Werkschau.

"Retrospektive" bietet aber nicht nur Einblicke in die Sprachgewalt von Berges, sondern auch einen Überblick über die bemerkenswerte musikalische Wandlungsfähigkeit der Band. Vom rumpelnden "Wurzelseliger" von "Das Ende der Diät" (1996) führt der Weg zum zarten "Wette unter Models" von "Erste Worte nach Bad mit Delfinen" (1999) über das grandios vor sich hin wabernde "Busfahrt" von "Altes Gasthaus Love" (2003) "Altes Gasthaus Love"bis hin zum tanzbaren "Fremdes" von "Krokus". Die Songs fügen sich ineinander, wirken so, als ob sie sowieso zusammen gehören würden. Die Zeit kann diesen Liedern nichts anhaben.

Ob nun der lauffreudige Bass von Ekki Maas oder das eindringliche Schlagzeugspiel von Christian Wübben: Erdmöbel haben im Laufe ihres Daseins bisher keine halben Sachen gemacht. Alles baut aufeinander, Experimente gelingen. Selbst, wenn Berges zum "Schwofen" auffordert, ist das nicht kitschig, sondern zeugt von Stil und Haltung. Und so ist "Retrospektive" mehr als ein schlichtes chronologisches Aneinanderreihen von Schlüsselsongs einer Band. Es ist vielmehr eine Umdeutung der bisherigen Lieder von Erdmöbel, ein Umräumen in einen neuen Kontext. Da hört man sich um den Verstand, denn für die Band gilt: "Wort ist das falsche Wort / Es ist mehr Akkord / Ach, ist unsagbar schwer zu sagen."

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Lied über gar nichts
  • Busfahrt
  • Vergnügungslokal mit Weinzwang (live)
  • Wort ist das falsche Wort
  • In den Schuhen von Audrey Hepburn

Tracklist

  1. Der blaue Himmel
  2. Wurzelseliger
  3. Wette unter Models
  4. Russisch Brot
  5. Anfangs Schwester heißt Ende
  6. Fremdes
  7. Lied über gar nichts
  8. Busfahrt
  9. Vergnügungslokal mit Weinzwang (live)
  10. Wort ist das falsche Wort
  11. Wieder allein, natürlich
  12. In den Schuhen von Audrey Hepburn
  13. Au-Pair-Girl
  14. Das Leben ist schön
  15. Für die nicht wissen wie
  16. Dreierbahn
  17. Lang schon tot
  18. Die Devise der Sterne

Gesamtspielzeit: 70:25 min.

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