Nickelback - Here and now

Nickelback- Here and now

Roadrunner / Warner
VÖ: 18.11.2011

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Rock nach Zahlen

Neulich im Kinderzimmer: Der frühpubertäre Jack singt lauthals mit, während aus den Lautsprechern der neueste Hit seiner hippen Lieblingsband Nickelback dringt. Auftritt Mutti, die dem Filius sinngemäß vorwirft: "Mach das leiser! Das ist doch nur Lärm, den Du da hörst!" Jack: "Ach Mutti, Du bist so uncool..."

Klingt irgendwie komisch? Kein Wunder, die Szene steht so ähnlich in einem Englischbuch für die achte Klasse. Mit der Realität hat sie - wie das in Schulbüchern eben so ist - natürlich wenig zu tun: Auch auf "Here and now" bleiben Nickelback im gleichen Maße angesagte Elternschrecks wie ihr oberrockiger Landsmann Bryan Adams. Dabei kann man nicht behaupten, dass sie sich nicht alle Mühe geben würden, so etwas wie Grunge-Attitüde auszustrahlen: Das Cover-Design ist betont feurig, die Gitarrenwände noch panzersicherer zementiert als auf dem Vorgänger "Dark horse". Tatsächlich prescht "This means war" zunächst einmal seinem Titel entsprechend aggressiv nach vorne und lässt Chad Kroeger scheinbar alle Wut darüber hinausröhren, dass er es immer noch nicht geschafft hat, Eddie Vedder zu werden.

Wer nun allerdings tatsächlich eine Kriegserklärung erwartet, der kann diesen Glauben höchstens noch während des Mitgröhlrefrains von "Bottoms up" aufrechterhalten. Was folgt, heißt dann eben eher "Lullaby" oder "Holding on to heaven" und klingt in der Regel auch genau so. Es wäre auch zu schön gewesen, hätte der bewährte Hitsingle-Baukasten ausnahmsweise mal in der Schublade verstauben dürfen. "When we stand together" verarbeitet schon einmal die Akustik-Gitarre im typischen Anschlag, den stadionschielenden "Heyeyeyeyey"-Chor und das ziemlich eklige Schlagzeug-Zwischenspiel, das sich live so herrlich für originelle Mitsing-Spielchen auswalzen lässt. Die Balladen-Komponenten, die damit noch nicht untergebracht werden konnten, verwursten "Lullaby" und "Trying not to love you" dann zu todsicheren Lokalradio-Lieblingen mit der Extraportion Pathos im Refrain - wieder zwei dieser Nickelback-Songs, bei denen man schwören könnte, sie seien schon dreimal als Single veröffentlicht worden und bereits beim ersten Mal nicht besonders inspiriert gewesen.

Wieviel lautes Gerocke dazwischen für Ausgleich sorgen muss, hat die Band gewohnt akribisch berechnet und schiebt immer wieder ein bisschen Riffgeschepper à la "Kiss it goodbye" ein, das weder wehtut noch längerfristig im Gedächtnis bleibt - nichts, was Jacks Mutti schockieren würde, wenn sie in den Siebzigern mit Deep Purple aufgewachsen ist. Natürlich will es man da fast für Zynismus halten, dass die Highschool-Romantik zum Abschluss tatsächlich auf den Namen "Don't ever let it end" hört, aber das wäre zu weit gedacht: Als würden Nickelback wirklich irgendjemandem den Krieg erklären wollen.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • This means war

Tracklist

  1. This means war
  2. Bottoms up
  3. When we stand together
  4. Midnight queen
  5. Gotta get me some
  6. Lullaby
  7. Kiss it goodbye
  8. Trying not to love you
  9. Holding on to heaven
  10. Everything I wanna do
  11. Don't ever let it end

Gesamtspielzeit: 39:48 min.

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