Eleanor Friedberger - Last summer

Eleanor Friedberger- Last summer

Merge / City Slang / Universal
VÖ: 11.11.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Es klappert die Mühe

Die Fiery Furnaces als unkonventionell zu bezeichnen, kommt in etwa so verwegen, wie Rezensionen mit mauen Einleitungssätzen über Bands zu beginnen, die eigentlich keinen mehr interessieren, deren eine Hälfte aber mit "Last summer" gerade ihr erstes Solo-Debüt veröffentlicht. Ja, die Erwartungen sind bei den Friedbergers hoch, obwohl ihre letzten Platten alles andere als aufregend waren - eben mehr Revolte in der Teestube als "Blueberry boat". Und überhaupt gehörte mehr und mehr der popkulturelle Diskurs-Unterbau dazu, um die Jahr für Jahr kommenden Alben noch zu feiern. Doch davon befreit Eleanor sich für "Last summer" komplett, und irgendwie könnte man diese Platte fast konventionell nennen. Keine Klaviere von der Decke, keine rückwärtslaufenden Uhren, keine Großmütter, sondern einfach nur zehn harmlose Songs, die fein arrangiert sind und über die sie ihre Stimme legt. Aber vielleicht liegt gerade darin dieses Mal die Herausforderung und das Experiment.

Also rein in den Versuchsaufbau von Miss Friedberger hin zu netten Melodien, netten Rhythmen, netten Texten und netten Nettigkeiten. "My mistake" lässt die Hände zu lieben Takten klatschen, und während man sich schon den Schlafanzug überstreift, hört man im Hintergrund leise das Popcorn in der Pfanne springen. Selbst "Glitter gold year" erspart sich die Haken, einzig das Becken der Drums darf ab und zu einmal dazwischenfunken. Dabei schimmert vor der fröhlichen Blues-Gitarre durch, dass sich Lücken auftun, in denen sie mit ihrem Bruder nur zu gerne gebohrt hätte. Aber nein, dieses Mal lieber nicht. Mit viel Mühe klappert sich die Platte so durch ihre fast 40 Minuten und konzentriert sich voll auf diesen komischen Pop, der beim "Rolling Stone" vermutlich die Haftcreme hart werden lässt vor Freude. Eben nicht wirklich aufregend, aber mit genug Momenten, die Abwechslung vortäuschen, ohne Spannung aufzubauen. "I won't fall apart on you tonight" nimmt einmal etwas Dynamik auf, aber lässt sie darauf gleich wieder fallen, die Drums drücken den Rhythmus etwas fester an die Melodie, und der Refrain bekommt neben dem stampfenden Klavier Unterstützung von ein paar verirrten Bläsern.

Doch mit seinen Nebendarstellern hat "Last summer" eher weniger Probleme. Auftritt Eleanor Friedberger, Studio, früher Nachmittag, Mikro vor dem Gesicht. Auf den Songs zieht ihre Stimme überhaupt nicht - da kann "Owl's head park" noch so viele Streicher einschmeißen, es fehlt komplett die Emotion in den Stimmbändern. Aber vermutlich besitzt "Last summer" seine Ironie, die allerdings nicht zubeißen mag. Und für einen spannenden Erzähler reicht es auch nicht. Die Texte schieben Bild um Bild um Bild in den Vordergrund, ohne sich auf irgendetwas festzulegen oder gar irgendetwas zu sagen. Dazu noch die gelangweilte Stimme, und die Aufmerksamkeit packt ihre Klamotten für die nächste Party. Die sollte dann vielleicht wieder mehr neben der Spur sein und den Absprung aus der Teestube schaffen.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Roosevelt Island

Tracklist

  1. My mistake
  2. Inn of the seventh ray
  3. Heaven
  4. Scenes from Bensonhurst
  5. Roosevelt Island
  6. Glitter gold year
  7. One-month marathon
  8. I won't fall apart on you tonight
  9. Owl's head park
  10. Early earthquake

Gesamtspielzeit: 39:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
FCB=Wurstverein
2011-12-22 20:12:15 Uhr
Scheiss Bayern!
HV
2011-12-22 18:00:16 Uhr
5/10, rofl.

ihr schafft's immer wieder, pt. :*
Soup Dragon
2011-11-30 20:53:17 Uhr
Die Platte ist vielleicht das Indiepop-Album des Jahres, aber egal.
vbler
2011-11-30 10:29:18 Uhr
echt schade, die platte ist besser als dieser verriss hier!
monguelfino
2011-11-25 08:26:16 Uhr
Die Rezension liest sich eher wie eine 3/10 oder 4/10. Die Kritik an der Seichtigkeit der Platte kann ich teilweise nachvollziehen, das gilt vor allem für das schmalzige Saxophonfinale von "My Mistakes" oder das in den Highlights genannte "Roosevelt Island".

"Ja, die Erwartungen sind bei den Friedbergers hoch, obwohl ihre letzten Platten alles andere als aufregend waren - eben mehr Revolte in der Teestube als "Blueberry boat""

Schade, dass das Album nicht von jemandem rezensiert wurde, der mit den letzten Furnaces-Veröffentlichungen mehr anfangen konnte. Was macht eigentlich Daniel Gerhardt?^^
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