Swod - Drei

Swod- Drei

City Centre Offices / Indigo
VÖ: 25.11.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mollig warm

"Romy Schneider ist wie ein Duft, der sich verflüchtigt und dabei die Essenz der Inspiration zurücklässt", so urteilte eine vor Nostalgie und Pathos triefende Arte-Dokumentation einmal über die österreichische Schauspielerin. Was hat die Sissi-Darstellerin nun mit Swod zu tun? Eigentlich nicht viel und doch eine ganze Menge. Zwar tauchen nur eine Handvoll Romy-Schneider-Dialogfetzen auf ihrem - nanu - dritten Album "Drei" auf, dennoch passt die Duftmetapher gut zum Swod-Erlebnis. Es kommt herbeigeflogen und lässt den Hörer mit verdrehtem Kopf zurück. In der Kopfnote die Samples, in der Bauchnote die Beats und in der Basisnote das Klavier.

Doch von vorne: Swod, das sind Oliver Doerell und Stephan Wöhrmann. Beide fanden sich 1991 zusammen. Dass sie von ihrer Film- und Theatervergangenheit geprägt wurden, hört man dem Duo bei jedem Tastenanschlag an. So ist auch das dritte Album der Berliner eine Eintrittskarte ins Kopfkino. Schon allein das Klavier lässt den Film vor dem inneren Auge abfahren. Dazu gesellen sich elektronische Klangspielereien, die um Percussions, Alltagsgeräusche und besagte Dialogschnipsel ergänzt werden. So projizieren die beiden Audio-Regisseure äußerst atmosphärische Bilder auf die Hirnhaut.

Nach einem skizzenhaften Piano-Intro wirkt "Sans pau" einerseits gehetzt und andererseits trotzdem in sich homogen. Weitaus fragiler erscheint da "Insel". So dürfte man sich bei dieser Komposition nicht wundern, würde ein Sticker mit der Aufschrift "Vorsicht zerbrechlich" die CD-Hülle zieren. Hier klackert, rauscht und romyschneidert es um einen pulsierenden Beat herum, während am Tasteninstrument die das Album bestimmenden Molltöne erklingen. Die Sprach-Samples stammen aus dem Film "Das wilde Schaf", in dem ein milchshaketrinkender Autor den Protagonisten zum Instrument seiner Phantasie macht - ebenso wie Swod die Phantasie des Hörers beflügeln.

Die U-Bahn-Fahrt wird zum Stummfilm, und selbst der Gang zum Altpapiercontainer erhält eine gewisse Tiefe, wenn Lieder wie "The pilot" aus dem Mp3-Player plätschern. Oftmals ist das betörend und verstörend zugleich. Sicherlich: Jahreszeiten sind definitiv die unterste Schublade der musikalischen Kategorisierung, aber dieses Album ist einfach wie gemacht für einen Herbstspaziergang. Schöne Musik ist schließlich immer noch der wärmste Schal.

(Marco Wedig)

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Highlights

  • Sans pau
  • Insel
  • The pilot
  • Largo

Tracklist

  1. Eins
  2. Sans pau
  3. Insel
  4. Hellerau
  5. October
  6. The pilot
  7. Gemein
  8. I am here
  9. Liebling
  10. Largo
  11. Intro 2

Gesamtspielzeit: 40:57 min.