M.E.D. - Classic

M.E.D.- Classic

Stones Throw / Groove Attack
VÖ: 28.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

L.A. sehen und streben

Die Sonne sticht vom blauen Himmel in die Augen. Die Kälte kriecht von den Gleisen langsam durch die Sneakers, während die Mütze ein wenig tiefer über die Ohren rutscht. "Drama konkret" von Hiob liegt in den letzten Zügen auf dem iPod und es dauert sowieso noch ein paar Minuten, bis die S-Bahn eintrifft. Also schnell rübergeschaltet zu "Classic" von M.E.D. - quasi von Berlin nach Los Angeles, wo die Sonne nicht nur sticht, sondern auf der Haut brennt. Stones Throw schmeißt mal wieder eine Rap-Platte in den Ring. Das muss schon betont werden, rückte doch nach dem Erfolg von Aloe Blacc ein wenig aus dem Blickfeld, dass Peanut Butter Wolfs Label sonst ja eher durch die Verknüpfung sonniger, satter Sounds mit Rhymes den Respekt einfährt. Während Doom und Madlib nach eigener Aussage auf einem guten Weg sind, endlich die Fortsetzung von "Madvillainy" auf die Spur zu setzen, kommt nun also M.E.D. mit einer Platte daher, die - Überraschung - Madlib zum großen Teil produzierte.

Allerdings hat "Classic" wenig mit den leicht zerfahrenen Beats zu schaffen, die man nun erwarten könnte. Mit feinerer Nadel strickte Karriem Riggins als Producer den Titeltrack. Entspannt zwirbelt sich die Melodie durch den unterkühlten Jazz, wenn M.E.D. und Talib Kweli ihre lyrics einsetzen. Gerade in der ersten Hälfte haben auch Oh No und The Alchemist mit angepackt,zum Ende gibt es nur noch Madlibs Kost. Dass sowohl das angefunkte "Medical card" als auch der schwere Bass von "War & love" so stark zusammenlaufen, liegt an der guten Arbeit aller Produzenten. Sie übertünchen, dass M.E.D. zwar seinen eigenen Film fährt und seinen eigenen Flow präsentiert, auf der zweiten Platte aber nur bedingt durch Abwechslungsreichtum besticht.

Vielleicht wäre genau dann sogar das Gleichgewicht auf "Classic" aus dem Lot geraten. M.E.D. macht seine Sachen ziemlich strebsam und mehr als anständig, auch wenn ihn etwa Hodgy Beats ein wenig alt aussehen lässt. Zukunftsweisend gibt sich "Classic" nicht. "Mystical magical" fährt die Streicher, das Klavier und die Samples auf, dass es einem heimelig ums Herz wird. Die richtige Kost mit Aufdruck "Real" für die Truekeeper - in warmen wie kalten Stunden. Eine rote Wand rauscht ins Blickfeld der Gleise und der breite Beat von "Roll out" läuft an und mit auszulaufen. Ziel? New York? Rio? Tokio? Und doch L.A.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • War & love (feat. Oh No)
  • Classic (feat. Talib Kweli)
  • Outta Control (feat. Hodgy Beats)

Tracklist

  1. INT'L
  2. Where I'm from (feat. Aloe Blacc)
  3. Too late
  4. War& love (feat. Oh No)
  5. Classic (feat. Talib Kweli)
  6. Get that (feat. POK)
  7. JWF
  8. Roll out (feat. Planet Asia & Kurupt)
  9. Blaxican
  10. Outta Control (feat. Hodgy Beats)
  11. Flying high
  12. Medical card
  13. 1 life 2 live
  14. Mystical magical

Gesamtspielzeit: 41:47 min.

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