Babybird - The pleasures of self-destruction

Babybird- The pleasures of self-destruction

Unison / Al!ve
VÖ: 18.11.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Geraubte Herzen

"Gib mir all Dein Gold!" So zwang einst ein vorwitziger Dreikäsehoch den gütig schmunzelnden Käpt'n Iglo zur Herausgabe seiner Schätze, die statt aus Geschmeide allerdings aus Fischstäbchen bestanden. Doch abgesehen von solchen liebenswert-altbackenen Auswüchsen des Werbefernsehens ist Raub kein Kavaliersdelikt - erst recht nicht auf offener Straße. Zum Glück ist Stephen Jones nicht mit einem altersschwachen Testimonial für Tiefkühlkost befreundet, sondern mit Captain Jack Sparrow höchstselbst. Oder vielmehr mit dessen Darsteller Johnny Depp. Der ging nämlich resolut dazwischen, als ein Straßenganove den Babybird-Macher unlängst um seine Barschaft erleichtern wollte. Und da Depp von jeher glühender Verehrer von Jones' Musik ist, durfte er den Auftakt seines neuen Albums sogar mit einem Gitarrensolo veredeln.

Und besser kann "The pleasures of self-destruction" gar nicht beginnen: Ein dreckiges Riff zickt los, Drums, Bläser und soulige Backgroundsängerinnen atmen schwer, und auf einmal befindet man sich in einer schmierigen Nachtbar. An der Theke lehnt ein komischer, weibisch wirkender Typ mit Freakmatte und Latschen, der nicht recht hierhinpassen will. Aber er verteilt Freikarten mit der Aufschrift "Willkommen in "The Jesus Stag Night Club"" - und plötzlich fällt einem auch ein, an wen der merkwürdige Gast so verteufelt erinnert. Und der in so einem Laden? Heiliger Bimbam - da kann es in Zusammenwirken mit dem Albumtitel eigentlich nur ziemlich schmutzig werden. Doch natürlich kommt alles anders. Denn: Jones ist verliebt. Nichts Neues beim Briten, nur war dieser Gefühlszustand für ihn bislang eher Anlass zu Verzweiflung und Fatalismus.

Auf "The pleasures of self-destruction" scheint er jedoch blendend damit klarzukommen. Der "Beautiful haze" besteht hier zu einem Gutteil aus rosa Wölkchen, und die rührende Ballade "The best day of our lives" flirtet zwar mit Zoff und Verpeiltheit, kommt aber zu einem rundum guten Ende: "We talked some more and it was alright / She kissed me like a warning / And we fell asleep in the car / And got married in the morning". Und wieder war "Ehe" nicht das im Kreuzworträtsel gesuchte Wort für Lebensende mit drei Buchstaben. "I love her", "Don't wake me", "The world is ours" - allesamt balladesk pointierte Loblieder auf die Zweisamkeit, durchperlt von schmelzenden Melodien und Pianos. Das ist zuweilen ein bisschen viel des Überzuckerten - doch Jones sei sein Glück gegönnt.

Zumal er schräger Humorbegabter und ehemals geprügelter Hund genug ist, um Brüche in die aufgeräumte Veranstaltung einzubauen. "I'm not a killer", presst er etwa zu grobem Kasabian-Basslauf durch die offensichtlich gefletschten Zähne - fügt aber gleich "but I could kill" hinzu und tritt ein polterndes Rollkommando los. "Song for the functioning alcoholic" postuliert listig "Trinke mäßig, aber regelmäßig", und "A little more each day" nähert sich den Indie-Hits "Goodbye" und "Cornershop" an. Selbst skeptische Titel wie "Not love" und "Can't love you any more" lösen sich bald in Wohlgefallen auf - doch ein paar Widerhaken mehr hätten diesem Album gut zu Gesicht gestanden. Zwar bleibt Jones ein geschmackssicherer Sympath, aber mit Verlaub: Eine Idee schlechter könnte es ihm dennoch gehen. Ein kleiner Straßenraub vielleicht?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The Jesus Stag Night Club
  • The best day of our lives
  • I'm not a killer

Tracklist

  1. The Jesus Stag Night Club
  2. Beautiful haze
  3. The best day of our lives
  4. I love her
  5. Not love
  6. Can't love you any more
  7. Don't wake me
  8. I'm not a killer
  9. www.song
  10. A little more each day
  11. Song for the functioning alcoholic
  12. The world is ours
  13. Remember us

Gesamtspielzeit: 49:54 min.

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