Andrew Roachford - Addictive

Andrew Roachford- Addictive

Big Lake / M3 / India / Rough Trade
VÖ: 30.09.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

K.I.S.S.

Andrew Roachford ist einer von den Sängern, die eigentlich immer schon da waren, eigentlich immer mindestens nette Musik gemacht haben und eigentlich immer in der zweiten Reihe damit standen. Es fiel nicht einmal wirklich auf, dass Roachford eine der erfolgreichsten britischen Bands der Neunziger war. In der Tat gehören allerdings die Songs seiner Band auf ewig zum Formatradioprogramm, denn nicht nur das Hitalbum "Permanent shade of blue" steckte voll souliger Eingängigkeit und poppigem Schmuserock. Das war Pop in Großbuchstaben.

Also war es nicht einmal erstaunlich, dass Roachford im letzten Jahr von Mike & The Mechanics rekrutiert wurde, um ihnen nach dem Ausstieg von Paul Carrack zur Abwechslung mal Soul mit der passenden Hautfarbe zu spendieren. Im Gegensatz zur gelackten Oberfläche von Mike Rutherfords Achtziger-Pop-Vehikel überraschte Roachfords im Frühjahr veröffentlichte EP "Where I stand" dann aber mit schlichtem Handwerk. Ein Klavier, eine Akustikgitarre und Roachfords Stimme - mehr brauchten die Songs nicht. Keep it simple, stupid - das ist Motowns altes K.I.S.S.-Prinzip. Dass Roachfords zweites Soloalbum diese Idee aufgreift, ist also sicherlich kein Fehler.

Soul und Rock, die immer feste Koordinaten in Roachfords Musik waren, haben es sich am Rande gemütlich gemacht. Schon das Quasititelstück "Addicted" wird schwungvoll geschrubbt, und Roachford schwelgt eine hübsche Melodie zu den übersichtlichen Akkorden. Ein paar gespenstische Stimmen rufen in den Hall, und dann setzt's auch noch flotten Sprechgesang in der Tradition von Sly Stone und Gil Scott-Heron. Schlicht, aber toll. Auch "The only one" und "Seize the day" spielen das Erfolgsrezept von "Addictive" aus: Mollige Harmonien in der Strophe, ein wenig Hoffnung in der Bridge, und die euphorische Zuversicht kommt im Refrain.

Aufregung hat Roachford nicht nötig. Seine Songs verströmen eine gelassene Souveränität. Und wenn er dabei eine Hymne wie "Complicated" aus dem Ärmel schüttelt, ist ihm das hoch anzurechnen. Ein paar sehnsüchtige Ohohos, jede Menge "you" und "me" und komplizierte Liebe reichen für einen großartigen Ohrwurm, weil Roachford das Klavier perlen lässt und seine Gefühle subtil steigert. Das leider verkorkste Gegenstück ist der Britrock-Haudrauf "The doctor", dessen Text genauso tumb ist wie die Komposition. "Cuddly toy" ist eben lange her. Zum Glück ist dies die einzige Ausnahme dieser soliden 13 Tracks. Und wenn Roachford auf allzu vorhersehbare Akkordwechsel verzichtet, strahlt er wieder die einstige Klasse aus. Die tolle Single "Wishing you knew" unterstreicht dies zum Ende von "Addictive" mit Grüßen an Bob Marley und beseeltem Wunschdenken. Macht zwar nicht süchtig, ist aber trotzdem ganz schön schön.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Addicted
  • The only one
  • Complicated
  • Wishing you knew

Tracklist

  1. Addicted
  2. I get high
  3. The only one
  4. Hello friend
  5. Complicated (Radio mix)
  6. Seize the day
  7. The doctor
  8. Saving angels
  9. Feel so good
  10. Precious love
  11. Say it
  12. Good 4 me
  13. Wishing you knew

Gesamtspielzeit: 44:40 min.