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Theophilus London - Timez are weird these days

Theophilus London- Timez are weird these days

Reprise / Warner
VÖ: 14.10.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Retropf

Ob der Postbote von Theophilus London manchmal schreit? Vor Glück? Und schreit London selbst manchmal? Fragen, die nicht einmal eine Eilsendung in Richtung Brooklyn beantworten könnte. Fest steht auf jeden Fall, dass kaum ein Musiker so oft in Interviews zu Mode und Schuhe befragt wird wie London. Was jetzt im HipHop nicht einmal ungewöhnlich wäre, wenn es um Nike Airs oder andere Sneaker gehen würde. Tut es aber nicht. Und was London an Retro-Chic schon auf den meisten Bildern präsentiert, streift er sich auch für seine Musik über. Sein Mixtape "I want you" feierten vor einem Jahr die bekannten Anlaufstellen für den Rap aus der Röhrenjeans. Auch Dave Sitek von TV On The Radio war voll des Lobes für den jungen Mann, der zu diesem Zeitpunkt als das nächste große Ding gehandelt wurde.

Aber weggegangen, Platz vergangen: Sein Debüt "Timez are weird these days" kommt nun eher klammheimlich raus, den meisten Anlaufstellen ist es nicht einmal eine Meldung wert. Dabei gibt sich London alle Mühe, dem gängigen Bild des Rappers nicht zu entsprechen – selbst Grandmaster Flash trug seinerseits coolere Klamotten. Und genau diesen Gestus hält London auch auf seiner Platte hoch. Electropop bildet das Rückgrat für die meisten Rhythmen. In "All around the world" schrubbt der Bass über die Beats. Stets so gebügelt, dass die Nummern ohne Probleme im Ohr hängen bleiben. "Why even try" wildert für seinen Sound ordentlich in den 80er Jahren, Indie-Attitüde findet da auch noch ein wenig Platz. Einen ähnlichen Film fährt ja auch Kid Cudi, der dabei aber wesentlich mehr in die Tiefe geht. London schiebt über die Tracks ebenfalls diese Mischung aus Gesang und Rap, die so auch Holly Miranda und Sara Quin als Features nicht großartig auffallen lässt. "'Cause tired of hearin' your crap / About who need to bring rap back." Dieser bleibt bei London eben nur ein markantes Accessoire, das ihn schmückt.

Technisch fehlt es London dafür auch einfach an Ecken und Kanten. Über das trotzige "Stop it" kommt er so noch rüber, aber eine richtige Herausforderung findet sich auf "Timez are weird these days" nicht. Zu gleichförmig verschmelzen die einzelnen Ideen, die London verknüpfen will. Das von Sitek produzierte "Lighthouse" sticht noch am meisten heraus – weil es wie eine B-Seite von TV On The Radio anmutet. London gibt sich zu selbstsicher, zu unnahbar und steht am Ende eher trottelig da. Das zickige "All around the world" strampelt gewaltig gegen alles und jeden, während "Last name London" nicht wirklich auf den Punkt kommt. Das Kernproblem seines Sounds erkennt London dafür aber schon selbst: "If you think you're special, you're probably not." Bei den einen ist es eben Retro, bei den anderen Altkleidersammlung.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Lighthouse

Tracklist

  1. Last name London
  2. Love is real (feat. Holly Miranda)
  3. Wine and chocolates
  4. All around the world
  5. She's great (Interlude)
  6. Why even try (feat. Sara Quin)
  7. Stop it
  8. Girls girls $
  9. One last time
  10. Lighthouse
  11. I stand alone

Gesamtspielzeit: 37:07 min.

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