Amy LaVere - Stranger me

Amy LaVere- Stranger me

Archer / Rough Trade
VÖ: 07.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Bass geht nach Süden

Der Kontrabass ist nicht gerade ein zierliches Instrument. Es braucht schon einen Hünen im Format des verstorbenen Type-O-Negative-Frontmanns Peter Steele, um sich so ein Ding über die Schulter zu schwingen und wie eine Bassgitarre zu spielen. Alle anderen sind gezwungen, das Instrument hinzustellen. Und selbst dann ist es immer noch schwer, um den großen Korpus herumzugreifen und die höheren Tonlagen zu erreichen. Man sollte also meinen, der Kontrabass ist aufgrund seiner Ausmaße eher ein Instrument für große, starke Männer. Gut, dass Amy LaVere keine Lust aufs Geige spielen hatte - und gut, dass Klischees so häufig unwahr sind.

Auf ihrem dritten Album präsentiert die Sängerin und Bassistin aus Memphis eine einnehmende Mischung aus Südstaaten-Country, Jazz-Pop und klassischem Soul. Mit ihrer rauchigen, manchmal klirrenden Stimme klingt sie häufig wie eine gefährlichere Version von Norah Jones. Und genau diese Schärfe in den Songs macht "Stranger me" zu einem gleichzeitig eingängigen und kratzbürstigen Ritt durch die amerikanische Folkmusik. Doch obwohl eben der Bass in vielen Songs eine tragende Rolle spielt, lässt sich die Platte nicht so einfach darauf reduzieren. Basslastig ist sie vor allem in der Grundstimmung.

Zum Beispiel kulminieren die dominierenden Hammond-Orgeln und treibenden Gitarren von "You can't keep me" in einem überraschend melancholischem Refrain mit einem traurigen, tiefen, aber nicht hoffnungslosen Trompetensatz. Gerade zu Beginn des Albums kultiviert LaVere diese sumpfig-bluesige Stimmung ganz fantastisch: Der grollende Groove von "Damn love song" spielt sich unter Handclap-Anfeuerung und mit offenen Gitarrenakkorden in Rage. "Red banks" geht zunächst ganz nah auf Tuchfühlung und packt dann sägende Distortion-Gitarren und ein tief brummelndes Saxofon aus, die den Song in Grund und Boden stampfen.

Später wechselt der Grundton leicht, die Songs werden vorsichtiger und subtiler. Anstatt rumpelnder Rockmusik schleichen sich fragilere Elemente ein. Da stechen dann Songs wie die herzzerreißende Ballade "Tricky heart" hervor, deren wunderschön warme Leadgitarre mit zarten Streicherarrangements um LaVeres zerbrechende Stimme tanzt. Im poppig-schiefen Captain-Beefheart-Cover "Candle mambo" stapelt sich eine naive Keyboard-Melodie über die nächste, nur unterbrochen von verspulten Lap-Steel-Einlagen im Walzertakt. "Stranger me" schillert in fast allen Farben des breiten Südstaaten-Spektrums und verbindet sie mit einer charmanten-zerknitterten Rauheit - nicht nur, aber auch aufgrund des Kontrabasses.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Damn love song
  • Red banks
  • Tricky heart

Tracklist

  1. Damn love song
  2. You can't keep me
  3. Red banks
  4. A great divide
  5. Often happens
  6. Lucky boy
  7. Tricky heart
  8. Stranger me
  9. Candle mambo
  10. Cry my eyes out
  11. Let yourself go (Come on)

Gesamtspielzeit: 45:23 min.

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