Jim Kroft - The hermit and the hedonist

Jim Kroft- The hermit and the hedonist

R.D.S. / Cargo
VÖ: 21.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Pop-Kanone

Moment mal! Das ist doch ... oder etwa nicht? Nein, George Harrison ist nicht von den Toten auferstanden. Der Herr, dessen Stimme da so erstaunlich an den stillen Beatle erinnert, nennt sich Jim Kroft und klingt nicht immer so beatlesk wie auf dem Eröffnungstrack seines neuen Albums. "Memoirs from the afterlife" heißt das Stück, dessen fernöstlich leiernde Gesangsmelodie sich schon seit längerem per Radio in die Gehörgänge fräst - eine 60s-Pop-Hymne wie aus dem Lehrbuch, die mit ihrer flirrenden Melange aus Streichern und Chören keine kleine Messlatte für den Rest von Krofts zweitem Album auflegt. Aber warum nicht großzügig Pop-Pulver verschießen, wenn man davon offenbar so unerschöpfliche Mengen besitzt wie der in Berlin gestrandete Schotte? "The hermit and the hedonist" ist randvoll mit schwelgerischen Harmonien gefüllt und quillt beinahe über vor den unzähligen gezupften, gegeigten, geblasenen Verzierungen, die diese umspielen.

Manchmal, besonders auf "Bleeding into bohemia" und dem Falsett-Schluchzer "Modern monk", werden dabei wie schon zu Beginn die Helden der Sechziger Jahre beschworen. Noch häufiger allerdings stehen deren Britpop-Enkel Pate – und zwar in all ihren Ausformungen. „Morning breaks“ zum Beispiel geriert sich ganz als archetypische The-Verve-Hymne mit unkaputtbarer "Von Null auf Hundert"-Dramaturgie. "Ulysses" hingegen würde ohne Weiteres als Fran Healys jüngster Travis-Streich durchgehen: Das Schlagzeug schleppt sich über ein federweiches Gitarrenbett, der Gesang steuert die obligatorische Prise Leid bei. Am anderen Ende der Skala tänzelt das nervös klirrende Pulp-Gedächtnisriff von "The jailer" vorsichtig in Richtung potentieller Airplay-Garant.

Erlaubt ist, was Pop ist – Trompetensoli oder ein fast schon kammermusikalisches Kleinod wie "Haiku" inklusive. Überhaupt kennt Jim Kroft keine Angst davor, zu dick aufzutragen: In lauten wie leisen Momenten schimmern wie selbstverständlich orchestrale Einsprengler und plustern sich zu farbenfrohen Instrumentalkleidern auf. Alle puristischen Coolness-Ambitionen bleiben außen vor - zum Glück, denn nach solchen Maßstäben müsste man "Canary in the coalmine" zu niedlich finden, den überbordenden Refrainschwall von "Waitin for a healin'" zu theatralisch und sowieso alles ein bisschen zu viel von allem. Bloß ist eben diese unbeirrt trendresistente Überlast das eigentlich Erwähnens- und Liebenswerte: Jim Kroft schreibt nicht elf Lieder, er bricht elf Lanzen für den musikalischen Hedonismus. Es wurde mal wieder Zeit.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Memoirs from the afterlife
  • Modern monk
  • Haiku

Tracklist

  1. Memoirs from the afterlife
  2. Modern monk
  3. The jailer
  4. If I'm born too late
  5. Waiting for a healin'
  6. Ulysses
  7. Canary in the coalmine
  8. Bleeding into bohemia
  9. Haiku
  10. Daylight
  11. Morning breaks

Gesamtspielzeit: 42:02 min.

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