Tracer - Spaces in between

Tracer- Spaces in between

Cool Green / Mascot / Rough Trade
VÖ: 30.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

1000 Meilen geradeaus

Der Schrank der Rockmusik hat mittlerweile mehr Schubladen als Ozzy Osbourne Gedächtnislücken. Alleinstellungsmerkmale sind ja schön und gut, aber muss denn wirklich jede dahergelaufene Band die E-Gitarre neu erfinden und noch ein weiteres Präfix vor die Selbstbeschreibung stellen? Rhetorische Frage, natürlich nicht. Es gibt ihn noch, den langen schnurgeraden Weg durch die Musiklandschaft, den Bands wie Led Zeppelin, Thin Lizzy, Deep Purple und Black Sabath vom Trampelpfad zum Pilgerweg ausgebaut haben. Tracer wandeln darauf mit der gleichen Selbstsicherheit wie ihre Landsleute von Wolfmother.

"Spaces in between" ist so symmetrisch, übersichtlich und geradeheraus, wie das Cover verspricht. Die drei Australier schlagen keine Haken, wagen keine größeren Ausflüge in benachbarte Genres, zitieren nichts und niemanden im Speziellen und beugen sich keinen Trends. Der Band ist die Überheblichkeit und pathetische Geste von Wolfmother ebenso fremd wie erzwungener 70er-Jahre-Sound oder andere Retro-Elemente. Tracer spielen keinen Metal, sondern archetypischen Rock. Angesichts des treibenden Openers "Too much" und Michael Browns stimmlicher Ähnlichkeit mit Chris Cornell und John Garcia ist man versucht, die Stoner-Schublade zu öffnen. Auch das gemächlich groovende "Walk alone" geht mit seinen flirrenden Leadgitarren und dem erdigen Rhythmus in Richtung breitbeiniger 90er-Jahre-Rock.

Der dröhnend-kaputte Bluesrocker "Louder than this" schielt ein wenig in Richtung Mountain und - 40 Jahre später - Queens Of The Stone Age. Browns Stimme hört sich an, als hätte er Sandpapier verschluckt, das Riff sägt sich von Solo zu Solo, und die abschließenden "Du du du"s sind das i-Tüpfelchen in Sachen Schrägheit. Klassischer kommt "Voice in the rain" daher, dessen halbverzerrtes Gitarrenriff die Strophenmelodie in den mächtig stampfenden Refrain trägt. In die selbe Kerbe schlägt der harmonisch und rhythmisch etwas vertrackte Titeltrack, dessen tief brummelnder Basslauf die Synkopen und verschobenen Schlagzeug-Beats gut zusammenhält. So emanzipieren sich Tracer auf der zweiten Albumhälfte noch weiter von den wenigen eindeutig festzumachenden Vorbildern und setzen sich einfach ganz oben auf den Schrank der Rockmusik.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Too much
  • Louder than this
  • Voice in the rain

Tracklist

  1. Too much
  2. Push
  3. Walk alone
  4. Louder than this
  5. Devil ride
  6. The bitch
  7. Voice in the rain
  8. Spaces in between
  9. Dead inside
  10. Save my breath
  11. All in my head
  12. Won't let die (Run Mary)

Gesamtspielzeit: 52:39 min.

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