Scraps Of Tape - Resident flux

Scraps Of Tape- Resident flux

Tenderversion / Al!ve
VÖ: 28.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Bass im Ärmel

Postrock-Melancholie trifft Arschtrittfaktor. Ja, so einfach ist das manchmal. Die Pfade, auf denen sich die Schweden Scraps Of Tape durch ihr musikalisches Schaffen bewegen, sind weniger verschlungen, sie werden vielmehr immer deutlicher. Denn auch das kann schließlich seinen sehr besonderen Reiz haben. Auf ihrem Viertwerk "Resident flux" führen Scraps Of Tape den eingeschlagenen Weg deshalb konsequent fort - und sind sich dabei auch nicht zu schade, den Sound ordentlich anzudicken, das Midtempo erneut zu beschleunigen, mit dem Kopf zu nicken oder in Ganzkörper-Ekstase zu verfallen, wenn es an der Zeit ist, oder dem Gesang auch mal Lieder von schlanken dreieinhalb Minuten Dauer zu spendieren.

Wie zuletzt auch Six Gallery, jedoch mit direkterer Produktion und weniger Mathrock-Tappings, konzentrieren sich Scraps Of Tape etwa bei "Flera meter kort" und "A feast of snakes" ganz auf die straffe Songkante, damit die Gastsänger nicht vollkommen untergehen, jedoch auch nicht zu dominant werden. Das schrabbt dann schon mal im Refrain kurz am Alternative Rock vorbei. Doch diese Flausen treiben Scraps Of Tape ihren Songs mit Wut und Freude am Arrangement schnell wieder aus. So auch bei "The memory tricks", in dem Cecilia Nordlunds Gesang zu einem elegischen Stück Riot Grrrl und Noiserock aufgerieben wird und somit Bands wie Uzeda und Sybris in Schlagdistanz rücken.

Auch sonst hören Scraps Of Tape nach wie vor überall genau hin, um dann doch ihr eigenes krummes Ding zu drehen. So verweist das nach druckvollem Beginn beinahe feuchtfröhlich dahinhüpfende "Mournlight" zugleich auf die frühen Tristeza und die späten From Monument To Masses. Der Großstadt-Groove von "TVR crown" und "Revelation ghost" wuchert hingegen nicht nur im Gesang von Gitarrist John Gustavsson dräuend aus Mogwais "Come on die young" empor - und nutzt zudem noch dessen letzte Tropfen zur Schizosynthese aus erschöpfter Harmonie und schreddernder Depression. Genau diese beiden Nachschattengewächse verstecken sich dann auch bereits im instrumentalen Opener, werden jedoch von Uptempo und bratzenden Bassfrequenzen kongenial niedergeknüppelt.

Das Ass, das Scraps Of Tape hierbei erneut nicht nur im Ärmel haben, sondern stets auch als Starkstrom-Attacken über die Saiten und Felle schicken, darf dann auch heutzutage durchaus noch Postcore genannt werden - wenn man damit eben alles ausgehend von Dischord und Washington DC meint und nicht den hochglanzproduzierten Auto-Tune-Emo-Metal, der mittlerweile unter diesem Namen sein Unwesen treibt. Auch in diesem Sinne bleiben Scraps Of Tape also eine Band mit einer Menge Tradition, allerdings auch mit dem Können und dem Willen, stets das Beste daraus zu machen: fluxkompressiert, bis es ebenso weh wie gut tut.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Flera meter kort
  • Mournlight
  • The memory tricks

Tracklist

  1. Håll tjeften
  2. Flera meter kort
  3. Wieldless
  4. TVR crown
  5. Mournlight
  6. A feast of snakes
  7. The memory tricks
  8. Revelation ghost

Gesamtspielzeit: 38:08 min.

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User Beitrag
2b1
2011-08-31 19:46:24 Uhr
Das nenn ich mal fix. Scraps of Tape haben innerhalb von drei Tagen den Nachfolger zu "Grand Letdown" im Studio eingespielt. Das neue Album "Resident Flux" wird Ende Oktober rauskommen. Hier kann man sich die Single "Flera Meter Kort (feat. Mattias Alkberg)" und zwei weitere Songs (einen instrumentalen) anhören und runterladen.

"(...)Flera Meter Kort has a rawer and more spontaneous feeling and mixed with Mattias Alkberg’s vocals it contains just about everything to warm and please every punk as well as indie heart (...)"

Scheint den neuen Songs zu urteilen in der Tat sehr abwechlsungsreich zu werden. Vor allem der Gastsänger scheint ne wichtige Rolle einzunehmen. Bin dennoch etwas skeptisch. Der Vorgänger war einfach so ein grandioses Meisterwerk, dass ich es für fast unmöglich halte, das nochmal zu toppen.
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