Kelly Clarkson - Stronger

Kelly Clarkson- Stronger

RCA / Sony
VÖ: 28.10.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ab durch die Mitte

Das hatten wir alles schon einmal. Zum Beispiel bei P!nk, Anastacia oder Avril Lavigne. Das Power-Motiv im Pop. Das Durchhalten, das trotzige Reagieren auf Niederlagen. Kelly Clarkson zitiert gar das verschlissene und ewig abgedruckte Kalender-Sprüchlein: "Was Dich nicht umbringt, macht Dich nur härter". Diese Kraft auszudrücken, nach Enttäuschungen wiederzukommen, sich von in die Brüche gegangenen Beziehungen nicht unterkriegen zu lassen, genau diese Stärke ist nicht neu bei der Texanerin. Und die wollte sie nur noch mehr auf "Stronger" vermitteln. Nicht nur im gleichnamigen Song, sondern auf der ganzen Platte. Versehen mit der Kunst der eigenen Toughness, dem Motiv der Powerfrau.

Gemessen an der Teenie-Zielgruppe ist das ein nur zu verständlicher Ansatz. Wenn da ein blöder Typ ist, der Dich nicht verdient hat, der Dich enttäuscht hat oder den Du abserviert hast, weil Du was besseres verdient hast, das trifft die Welt der Bravo-Leserin. Der erste bis dritte Herzschmerz, Streitigkeiten, Rumgezicke, das Weitermachen. Ja, dieser Themenkomplex, dessen sich Clarkson hier annimmt, ist nun wahrlich nicht neu, sollte aber auch niemand erwartet haben, oder? Es passt in den konventionellen Pop-Rock, der hier einmal mehr von einer Songschreiber-Riege zusammengestellt wurde. Rodney Jerkins (bereits tätig für u.a. Michael Jackson, Britney Spears, Beyoncé und Jennifer Lopez), Greg Kurstin (P!nk, All Saints, Natasha Bedingfield) und Ester Dean (Britney Spears, Katy Perry, Pussycat Dolls), um nur drei zu nennen, schneidern Clarkson Songs auf den Leib, die den Nerv ihres Publikums und den der Charts treffen. Ein griffiger Refrain eint alle Tracks; sie bedienen sich exemplarisch bei "What doesn't kill" oder "Dark side" taktgebenden Beats aus der Konserve und verstärken das Pop-Muster mit leicht rohen bis glatt geschliffenen Gitarren oder versinken im triefenden Weltschmerz von "Standing in front of you".

Was man Clarkson gar nicht allzu hoch anrechnen darf: Sie verzichtet auf David Guetta oder Pitbull als Produzenten und hat nicht plötzlich entdeckt, schon immer mal Dance-Mucke machen zu wollen. Stattdessen findet ihre kraftvolle Stimme weiter ein Heim im tradtionellen Wechsel aus Balladen und Midtempo-Pop-Rock-Stücken. "I forgive you" eifert dem Aufbau von "Since U been gone" oder "My life would suck without you" und "You can't win" macht daraus sogar wieder einen Hit, während sich ein Großteil der Songs auf der Sparte des gereifteren Teen-Pop ausruht. Wie auf "Mr. Know it all" leistet Clarkson solide Arbeit auf diesem Gebiet, wirkt dabei nicht so peinlich wie Avril Lavigne, weiser als Miley Cyrus, aber immer noch schwächer als P!nk. Mit "Honestly" ruht gar ein toller Song inmitten des vielen Mittelmaßes, den Ryan Tedder nicht besser hinbekommen hätte: "If you're hating me, do it honestly." Wir sind weit davon entfernt, Clarkson und "Stronger" zu hassen, aber haben die Kraft und die Stärke, die CD beiseite zu legen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Honestly
  • You can't win

Tracklist

  1. Mr. Know it all
  2. What doesn't kill you (Stronger)
  3. Dark side
  4. Honestly
  5. You love me
  6. Einstein
  7. Standing in front of you
  8. I forgive you
  9. Hello
  10. The war is over
  11. Let me down
  12. You can't win
  13. Breaking your own heart

Gesamtspielzeit: 47:25 min.

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