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Sneaker Pimps - Bloodsport

Sneaker Pimps- Bloodsport

Tommy Boy / Eastwest
VÖ: 25.02.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Küche in Flammen

Kochen ist nicht jedermanns Sache, ganz besonders, wenn es sich um raffinierte Gerichte handeln soll. Verschiedene Ingredienzen in ausgewogenen Verhältnissen in geschmackssichere Bahnen zu lenken, dabei Dauer und Intensität der Wärmezufuhr geschickt zu steuern, verlangt dem Pfännchenschieber oder der Töpferückerin multitaskiale Höchstleistungen ab. Hat man dann auch noch zu viele Jedermänner, soll das laut Volksmund dem Geschmacksnerv auch nicht besonders zuträglich sein. Die Sneaker Pimps haben das bereits vor vier Jahren erkannt: Jederfrau Kelly Dayton wurde nach der Kücheneinweihung "Becoming X" lebenslanges Würzverbot gegeben, und der nun zum zweiten Mal nur noch mit Männern besetzen Kochkurs machte sich auf nach Frankreich, um dort von Bocuseschen Inspirationen eine neue Speisekarte zusammen zu köcheln.

Den Trip-Hop, in dessen zweite Reihe sich Sneaker Pimps nach Massive Attack und Portishead mit "Becoming X" geschoben hatten, holten Corner, Howe, Wilson und Westlake bereits mit "Splinter" aus der Friteuse, damals weniger erfolgreich. Tanzbarkeit bildet also wieder den Grundfonds der elf neuen Gerichte. In "The fuel" beläßt es das Koch-Quartett aber nur beim Fonds, der zu heiß gekocht nur düster kokelnd am Topfinnenboden hängen bleibt. Als Appetizer tischen die Pimps "Kiro TV" und "Sick" auf - zwei Lieder, die unterschiedlicher nicht zubereitet werden konnten: ersteres nach "erst leise, dann aber laut"-Manier und endlich wieder mit weiblichen Stimm-Früchten garniert. Zweiterer aber eher die Stulle mit Jagdwurst, fader Geschmack ohne Höhepunkt.

Auch das Titelgericht "Bloodsport" hat nicht nur Gaumenfreuden zu bieten: wie Blutwurst in einem Gemüseauflauf zieht sich das air-artige Synthie-Gewaber durch den monotonen Beats und Prince-Gegacker von Chris Corner. Apropos Corner: der Voresser der Pimps hat zumindest vom Namen her eine gewisse Ähnlichkeit mit Chris Cornell. Doch im Gegensatz zur Stimme des "Maître de cuisine" im Garten des Sounds schafft es Corner eben nicht, Gefühle und Empfindungen ehrlich aufzutischen. Stimmlich hat sich Corner zwar deutlich gesteigert, doch entlockt er seinem Organ oft zuviel Pathos und Schmalz. Wie bei "Grazes" oder "M'aidez" - musikalisch durchaus interessant, doch schon bei den ersten Refrain-Tönen läßt Corners der Schicht Sülze freien Lauf.

Beim Dreierpack "Small town witch", "Black sheep" und "Loretta young skies" dagegen stimmt das Verhältnis von Zutaten und Zubereitung. "Small town witch" wird von einer fetten Portion Synthbaß vorangetrieben, der eine sanftes Tröpfchen Akustik-Gitarre beigefügt wurde, bevor alles im Refrain zu einem intensiven Soundauflauf zusammengefügt wird. Ähnlich bei "Loretta young silks", das "Low place like home"-Geschmäcker bedient. Und "Black Sheep" kommt sehr spartanisch daher mit seiner schönen Gitarre, und Corner wird trotz gedrosseltem Tempo nicht zu pathoslastig. Drei Lichtblick, die ein Probehören sicherlich rechtfertigen. Also, Jungs, beim nächsten Mal Zutaten überprüfen und Kochzeiten. "And maybe then you wouldn't get so sick of me", singt Corner. Recht hat er.

(Daniel Löb)

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Highlights

  • Small town witch
  • Loretta young silks
  • Black sheep

Tracklist

  1. Kiro TV
  2. Sick
  3. Small town witch
  4. Black sheep
  5. Loretta young silks
  6. M'aidez
  7. The fuel
  8. Bloodsport
  9. Think harder
  10. Blue movie
  11. Grazes

Gesamtspielzeit: 53:50 min.

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