Iced Earth - Dystopia

Iced Earth- Dystopia

Century Media / EMI
VÖ: 14.10.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hassbatzen aus der Lostrommel

Eines der grundlegenden Prinzipien bei Iced Earth scheint es zu sein, nie zwei Platten mit der selben Besetzung aufnehmen zu können. Besonders deutlich ist dies in der jüngeren Vergangenheit am Posten hinter dem Mikrophon. Matthew Barlow raus - nicht ohne verbales Nachtreten - Matthew Barlow wieder rein, nun endgültig raus. Passenderweise mit einem fulminanten Abschiedsauftritt in Wacken. Der Neue: Ein gewisser Stu Block, der bei den Extrem-Prog-Metallern Into Eternity üblicherweise zwischen fiesem Keifen und kellertiefen Growlen pendelt. Lässt dieser Umstand gemeinsam mit der Tatsache, dass "Dystopia" von Jim Morris, seines Zeichens stilprägender Death-Metal-Produzent der frühen Neunziger, produziert wurde, Böses erwarten? Ganz im Gegenteil.

Wüsste man nicht um den Umstand des Vokalistenwechsels, man könnte Block insbesondere in den mittleren Tonlagen glatt mit Barlow verwechseln. Ganz davon abgesehen, dass der eröffnende Titeltrack mal eben größte Anteile der beiden Vorgänger-Alben locker in den Schatten stellt. Nicht zwingend innovativ - dafür ist Band-Absolutist Jon Schaffer nun wahrlich nicht bekannt - aber im direkten Vergleich überaus erfrischend, wie das folgende "Anthem" mit einem Refrain zum Niederknien zu bestätigen weiß. Auch wenn das ähnlich gelagerte "Melancholy (Holy martyr)" von 1998 in dieser Hinsicht unerreichbar bleibt.

Wie bei "Horror show" von 2001, das weniger Konzeptalbum als eine Sammlung von Songs mit gemeinsamen Hintergrund war, haut Schaffer auf "Dystopia" gewaltig auf den Putz. Höchst bedauerlich ist dann allerdings, dass ausgerechnet die Songs, die am deutlichsten dieses Konzept umsetzen sollen, etwas abfallen. Welche Filme für "V", "Dark city" oder "Equilibrium" Pate standen, dürfte nicht allzu schwer zu erraten sein; leider stand auch musikalisch so manches Werk aus der Frühphase der Band Modell. Denn die Tackeratacker-Riffs von Schaffer sind nun weiß Gott nichts Überraschendes mehr, und auch der über die komplette Albumlänge wirklich großartige Gesang von Stu Block kann die Metal-Hausmannskost nicht immer kompensieren.

"Days of rage" reißt dann nicht nur den Hörer aus der sich andeutenden Lethargie, sondern gleich so einiges als Kollateralschaden mit nieder. An einen derartigen Hassbatzen können sich in der Tat nur noch die älteren unter den Iced-Earth-Fans erinnern. Und trotz Marschtrommeln ist das abschließende "Tragedy and triumph" alles andere als ein Rückfall in den Hurra-Patriotismus einiger Alben der vergangenen Jahre, sondern ein wahrhaft würdiger Schlussakt. Zu behaupten, Iced Earth wären besser denn je, ist sicherlich übertrieben. Aber Jon Schaffer ist es gelungen, nach langer Durststrecke trotz kleiner Schwächen ein gutes Album zu produzieren. Auf geht's zur nächsten Runde - wer auch immer mitmachen darf.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Dystopia
  • Anthem
  • Days of rage
  • Tragedy and triumph

Tracklist

  1. Dystopia
  2. Anthem
  3. Boiling point
  4. Anguish of youth
  5. V
  6. Dark city
  7. Equilibrium
  8. Days of rage
  9. End of innocence
  10. Tragedy and triumph

Gesamtspielzeit: 45:09 min.

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