Rival Schools - United by fate

Rival Schools- United by fate

Mercury / Universal
VÖ: 25.02.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Einer für alle

Man kann es geistige Reife nennen. Oder auch innere Ausgeglichenheit. Fakt ist, daß Walter Schreifels seine Bestimmung und seinen Seelenfrieden gefunden zu haben scheint. Jene Ikone, die die Hardcore-Szene der späten Achtziger sowie frühen Neunziger entscheidend mitgeprägt hat. Ein beeindruckender Wandel: Zunächst geifernde Hüpfdohle hinterm Gitarrenbrett der Pogo-Primaten Gorilla Biscuits. Dann Frontsäusler der ungleich differenzierter agierenden Frickel-Heroen Quicksand. Und nun vereint ihn mit seinen neuen Mitstreitern das Schicksal. "United by fate" - Rival Schools sind Schreifels' neue Baustelle.

Dort geht es weitaus entspannter zur Sache als noch bei Walters letzten Stationen. Die Axt bleibt im Walde, und selbst der rumpelige Quicksand wird noch einmal mächtig in die Schleifer-Mangel genommen. This isn't Hardcore. Aber das ist sowas von Jacke wie Hose, wenn scheinbar aus dem Nichts auch ohne Einsatz von Bolzhorn und Eisenprügel eine zur formvollendeten Perfektion geschliffene Perle wie "United by fate" unter den dreckigen Fingernägeln hervorkriecht.

"Good things are coming our way." Das süchtigmachende Opium fürs Volk haben die Direktoren der Rival Schools jedenfalls schon einmal für sich gepachtet. Der Atem stockt, der Puls beschleunigt auf eingeklopfte beats per minute zum Quadrat, und schon bahnen sich nicht nur mit Fellverdreschern wie dem trotzigen Kopfnicker "Used for glue" suffiziente Eisbrecher der besonders majestätischen Art an. Das knallt mächtig, und die Rhythmussektion interpretiert den Begriff "Tightness" sowieso auf ihre eigene, alsbald unnachahmliche Weise, so daß jeglicher Widerstand gegen obrige Gewalten seinen Zweck verfehlt.

So verbleibt garantiert kein zappel-kompatibles Körperteil im Ruhezustand, wenn "Travel by telephone" mit sägenden Gitarren selbst an den introvertiertesten Nervenenden kitzelt. Und überbewertete New-Rock-Hypes aus Übersee schauen bei Gegenüberstellung mit dem unantastbaren Slo-Mo-Schmachter "Undercovers on" gleich reihenweise beschämt zu Boden. Denn wo diese sich oftmals auf festgefahrenen Gleisen bewegen, gelingt Rival Schools das schier Unglaubliche: So muß er klingen, der einzig wahre, würdige Post-Grunge. In der Folgezeit glitzern feucht-verzückte Augen gerade nach solchen Glanztaten bei jedem Durchlauf aufs Neue, wenn der "Holding sand" mit Schmackes die staubtrockene Wüstenluft aus den Boxen bläst.

Auch ansonsten wird nicht geklotzt, sondern gekleckert, was die Klampfe hergibt. "United by fate" ist unglaublich vielseitig, unglaublich ausgereift und vor allem eines: ganz, ganz großes Gefühls-Kino mit eingebauter Blockbuster-Garantie. Eine illustre Ansammlung überaus fantastischer Songs, die zwar in weitläufigen Emo-Kontexten durchaus funktionieren und dort auch mindestens ebenso brillieren, aber gleichzeitig zu viel mehr fähig sind, als es der ohnehin schon gute Ersteindruck erahnen läßt. Dabei decken Rival Schools gerade wegen des spielerischen Spagats zwischen rauh und kuschelweich, ohrenbetäubend und flüsternd einen beachtlich breiten Spielraum ab. Letztlich zündet ein Schreifels auch ohne Knüppel und Granaten. Aber wen stört das jetzt noch? Den Ausverkaufs-Vorwürfen den Stinkefinger. Let there be rock.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Travel by telephone
  • Used for glue
  • Undercovers on

Tracklist

  1. Travel by telephone
  2. Everything has its point
  3. High acetate
  4. Undercovers on
  5. Good things
  6. Used for glue
  7. World invitational
  8. Switch
  9. Holding sand
  10. My echo
  11. Favourite star
  12. So down on
  13. Hooligans for life

Gesamtspielzeit: 42:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Tama
2011-01-18 15:56:09 Uhr
gehört für mich allerdings zu den alben die nach dieser zeit immer noch zünden. bin auch niemand, der sonst viel schreifels hört, find das album einfach gut!
Böh
2011-01-18 15:00:16 Uhr
Seh ich ähnlich. Nicht richtig schlecht, nicht besonders gut. Aufgrund der Schreifels-Pluspunkte vielerorts völlig überschätzt.
hm
2011-01-18 14:43:20 Uhr
also zwecks bald anstehender tour mit trail of dead hab ich mir gedacht, hör ich doch mal rein in das hochgelobte album.
das ist allerdings so durchschnittlich, dass es mir schwer fällt das album am stück zu hören. wie die frühen jimmy eat world in schlecht. da bleibt wirklich gar nix hängen.
5/10

die 8/10 hier ist für mich ein großes rätsel.
Fotzenkopp
2010-12-29 19:09:41 Uhr
meinst Du die neue Platte? Gibts die schon ?
Fotzenkopp
2010-12-29 19:09:30 Uhr
meinst Du die neue Platte? Gibts die schon ?
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