Peter Gabriel - New blood

Peter Gabriel- New blood

Real World / Virgin / EMI
VÖ: 07.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Erneuerbare Energie

In der nunmehr 45 Jahre andauernden Karriere des Peter Brian Gabriel sind echte Fehlgriffe an einer Hand abzählbar. Schade nur, dass ausgerechnet das letztjährige "Scratch my back" zu selbiger Kategorie zu zählen ist. Allzu oft war hier eher der Kopf das zu kratzende Objekt, zu sehr manche der 12 Coverversionen mit "prätentiös" noch nett beschrieben. Zu allem Überfluss kommt das eigentlich als Pendant gedachte Projekt "I'll scratch yours", für das die Urheber dieser Songs ihrerseits einen Song Gabriels covern, nur höchst schwerfällig in die Spur. Finalisierung unklar, zumal sich beispielsweise Radiohead und Arcade Fire aus dem Projekt verabschiedeten.

Was lag also näher, als eine Auswahl eigener Songs kurzerhand selbst zu covern? Zumal es für die auf "Scratch my back" folgende Tour ohnehin einige Songs auf die Begleitung durch ein komplettes Orchester umzuarrangieren galt. Mit dessen Hilfe gelingt es Gabriel und Arrangeur John Metcalfe nun auch mit "New blood" auf Anhieb, den aufgeschlossenen Hörer mitzureißen, und zwar spätestens bei der ekstatischen zweiten Hälfte des eröffnenden "The rhythm of the heat". "San Jacinto" wiederum taugt mit der Orchestrierung zur Filmmusik, während das ohnehin schon bösartige "Intruder" durch Wechselspiele zwischen gnadenlosem Minimalismus und Bombast geradezu beängstigend fies wird.

Genau diese konsequente Entkernung zeigt letztlich, welch unsterbliche Songs Peter Gabriel geschaffen hat. Gut, "Don't give up" bliebe ein zu Tränen rührendes Meisterwerk von Ballade, selbst wenn es auf einer Blockflöte gespielt würde, zumal die Norwegerin Ane Brun mit ihrem fragilen, an Björk erinnernden Gesang die Rolle der Original-Duettpartnerin Kate Bush sehr ansprechend ausfüllen kann. Aber auch das leise perlende "Mercy street", das pompöse "Red rain" oder das kratzbürstige "Digging in the dirt" sind allein schon spannender als das komplette Vorgängeralbum und zeigen, dass sich Gabriel vor Jahresfrist offenbar schlicht übernommen hat.

Da passt es letztlich genau ins Bild, dass Gabriel nicht nur auf allzu offensichtliche Kandidaten wie "Sledgehammer" oder "Big time" verzichtet, sondern dem nun wirklich unvermeidlichen "Solsbury Hill" wie zum Hohn "A quiet moment" voranstellt - Umgebungsgeräusche von ebenjenem Hügel, so lang wie der eigentliche Song. Dass "Solsbury Hill" dann in übelster Pop-Meets-Klassik-Manier verhunzt wird, ist so ironisch wie passend. Denn "New blood" ist das Album, das &"Scratch my back" werden sollte. Der Mut, die Songs konsequent zu zerlegen und neu aufzubauen, wird dieses Mal belohnt - eine Frischzellenkur im Wortsinn.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • The rhythm of the heat
  • Intruder
  • Mercy street
  • Don't give up

Tracklist

  1. The rhythm of the heat
  2. Downside up
  3. San Jacinto
  4. Intruder
  5. Wallflower
  6. In your eyes
  7. Mercy street
  8. Red rain
  9. Darkness
  10. Don't give up
  11. Digging in the dirt
  12. The nest that sailed away
  13. A quiet moment
  14. Solsbury Hill

Gesamtspielzeit: 77:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Klübernase
2012-05-12 12:52:42 Uhr
Vor ein paar tagen in Berlin gesehen. War brutalst langweilig und Gabriels Stimme fürchterlich. Warum hört der nicht einfach auf ? das ist wirklich sowas von belanglos und öde.
Magge
2012-05-12 12:32:52 Uhr
gestern in stgt. live gesehen,muss sagen da kommt das ganze erst richtig rüber.war geil.
nachfrage
2011-10-10 20:36:11 Uhr
oder aus der Millionärsvilla?
Dry Toc
2011-10-10 10:13:56 Uhr
Kitschiger belangloser Altherrenmist für die Millionärsvilla
Me
2011-10-10 10:05:28 Uhr
Ich dachte nach "Scratch my back..." kommt erst mal "...and I'll scratch yours"? Hat wohl nicht funktioniert, dass die gecoverten Bands nun Peter's Material covern.
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