Elysian Fields - Last night on Earth

Elysian Fields- Last night on Earth

Vicious Circle / Cargo
VÖ: 23.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein paar letzte Chancen

Den Abend im Kreis der Liebsten verbringen. Zwei Runden Monopoly spielen statt einer halben. All das essen, was man aufgrund einer albernen Diät so lange gemieden hat. Ein ganzes Album einer norwegischen Death- Metal-Band hören und damit die Nachbarn vom Schlafen abhalten. Allen Kollegen, die man nicht leiden kann, per Betriebsverteiler ordentlich die Meinung sagen. Das Auto des verhassten Ex-Geschichtslehrers in Klopapier einwickeln. Oma und Opa dorthin fahren, wo sie schon so lange nicht mehr waren und schon so lange wieder sein wollten. Ein Tischfußball-Spiel gegen einen Typen namens Snake gewinnen und sich wie ein absoluter Gigant vorkommen. In den letzten Stunden doch noch einmal auf der Gitarre klimpern, weil man es schon ewig vorhatte und doch nie gemacht hat. Den Freunden eine letzte, große, gigantische Grußbotschaft hinterlassen. Und was würdet Ihr tun in Eurer letzten Nacht auf Erden?

Die Antwort auf die Frage, die sich wohl jeder schon mal gestellt hat, geben Jennifer Charles und Oren Bloedow von Elysian Fields gleich in elffacher Ausführung. Der Titel ihres sechsten Albums ist wahrlich nicht neu - erst im letzten Frühjahr beglückten uns Noah And The Whale mit ihrer Version der berüchtigen letzten Nacht. Und doch ist die Heransgehensweise eine besondere. Melancholisch wird es, kitschig fast nie, düster sehr oft, manchmal etwas traurig, in kleinen Teilen fast aufmüpfig. Eine Komposition traumhafter Vorstellungen bieten Elysian Fields, sei es im verruchten "Can't tell my friends", in dem sich Charles so herrlich lässig durchnuschelt, dass die letzte Nacht an Entspannung kaum zu überbieten ist, oder bei "Johnny", einer gruselig anmutenden Gutenachtgeschichte voller Sehnsucht. Ja, auch das muss mal sein:

Natürlich wird schnell klar: Elysian Fields bleiben sich auch auf "Last night on Earth" treu. Patzer gibt es keine, statt einem großen Highlight finden sich mehrere kleine, gut sortierte Perlen, die es zu entdecken gilt. Der angenehm zurückhaltende Einschlag der E-Gitarre im treibenden "Chance" etwa. Oder die Piano-Ballade "Chandeliers", bei der man sich Charles mit engelsgleicher Ausstrahlung in jeder noch so dreckigen Kneipe vorstellen kann. Das würde auch Oma und Opa während der längeren Autofahrt gefallen. Und dann kommt sie schließlich, die eigentlich wichtigere Frage, und obwohl sie nebenbei gestellt wird, kann man sie kaum ignorieren: "Are you feeling lucky", fragt Charles in "Villain on the run" und klingt dabei wie Nina Persson mit einem Extraschuss Whiskey. Und eigentlich ist es dann ja ganz klar: Völlig egal, was man in seiner letzten Nacht auf Erden macht. Hauptsache, man nutzt seine Chance.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Can't tell my friends
  • Chance
  • Villain on the run
  • Chandeliers

Tracklist

  1. Sleepover
  2. Red riding hood
  3. Can't tell my friends
  4. Sweet condenser
  5. Chance
  6. Johnny
  7. Church of the The Holy Family
  8. Villain on the run
  9. Chandeliers
  10. Old old wood
  11. Last night on Earth

Gesamtspielzeit: 48:31 min.

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