Dum Dum Girls - Only in dreams

Dum Dum Girls- Only in dreams

Sub Pop / Cargo
VÖ: 30.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Risse im Kaugummi

Gar nicht dumm, die Girls: Nachdem sich Kristen Gundred und ihre Mädels bereits für ihr Debüt die Produzentendienste des erfahrenen Sixties-Spezialisten Richard Gottehrer gesichert hatten, legen sie nun noch einen drauf. Auf dem zweiten Album sitzt zusätzlich Sune Rose Wagner von den Raveonettes am Mischpult und verleiht den Songs zwischen nostalgischem Dream-Pop und Shoegaze eine weitere Schicht psychedelischen Twang. Allerdings erlebten Dum Dum Girls auch einen Nackenschlag: Gundreds Mutter, auf dem Cover von "I will be" noch als Jugendliche verewigt, erlag während der Aufnahmen zum Nachfolger einer tödlichen Krankheit. Das Artwork könnte nun zeigen, wie ihre Seele den Körper des schlafenden Mädchens verlässt, oder auch den Dämmerzustand illustrieren, den die Frontfrau zwischen Tourstrapazen, Schlaflosigkeit und Trauerarbeit durchlebte.

Schwere Zeiten für Gundred also - doch zum Glück hatte sie ihre Girls, mit denen sie all diese Erfahrungen zu delikaten Retro-Popsongs von bittersüß über aufgekratzt bis todtraurig verarbeitete. Von den auch auf "Only in dreams" zahlreich vorhandenen Bubblegum-Momenten sollte man sich also nicht über die tiefergehende Dimension dieses Albums hinwegtäuschen lassen. Auch wenn es ein Leichtes ist, beim listigen Uptempo von "Always looking" auf "These boots are made for walking"-Schnitzeljagd zu gehen und Gundred nach dem Prinzip "Festhalten und weitersuchen" ihren Lover anschmachten zu hören. Direkt danach bezaubert "Bedroom eyes" schlaftrunken mit einem strahlendem Refrain in Cinemascope, und zu den vorwitzigen Licks von "Just a creep" können Dum Dum Girls die Boys auch getrost einmal gestohlen bleiben, sofern sie sich gegenüber einer Lady nicht zu benehmen wissen. Natürlich gilt das nicht für Gottehrer und Wagner, die diese köstlichen Lieder mit brillantem Flair und dezentem Feedback überziehen.

Doch mit zunehmeder Laufzeit zeigen sich Risse in der rosafarbenen, nebulösen Ästhetik, wenn "Caught in one" trotz fidelen Singalongs traurig den Blick auf unaufhaltsames Siechtum richtet: "You can tell me time will heal / But you don't know the way I feel / I never had imagined death / Beyond the vague and cold last breath." Ein ebenso bewegender Moment wie das länglich schleppende "Coming down", das sich aber genauso als rührseliger Durchhänger nach einer rauschhaft durchfeierten Nacht hören lässt, wenn die "Teardrops on my pillow" wie von selbst kommen. Am Ende steht ein niedergeschlagener letzter Blick zurück, bevor das Leben weitergeht: "There's nothing I can do except hold your hand". Doch obwohl auch Dum Dum Girls dem Tod kein Schnippchen schlagen können, singen sie so eindringlich und betörend gegen ihn an, dass einem ganz warm ums Herz wird. Hier ist Widerstand gleich mehrfach zwecklos.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Always looking
  • Bedroom eyes
  • Coming down
  • Wasted away

Tracklist

  1. Always looking
  2. Bedroom eyes
  3. Just a creep
  4. In my head
  5. Heartbeat (Take it away)
  6. Caught in one
  7. Coming down
  8. Wasted away
  9. Teardrops on my pillow
  10. Hold your hand

Gesamtspielzeit: 36:36 min.

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