Neon Indian - Era extraña

Neon Indian- Era extraña

Transgressive / Cooperative / Universal
VÖ: 07.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Böses C

Chillwave. Kaum ein anderes Genre - und es bleibt umstritten, ob es wirklich eines ist - sorgt für mehr Diskussionen zwischen Musikkennern und jenen, die glauben, welche zu sein. Denn bis vor ein paar Jahren gab es Chillwave schlichtweg nicht. Zuvor hießen die Subgenres Electronica, Synthpop, Chillout oder Downtempo - bis der neue Begriff aufkam. Nur wofür steht er eigentlich? Für total abgedrehte Hipster-Mucke, die bis auf ein paar Samples und Loops nicht viel zu bieten hat? Für 1000 verschwurbelte Melodien, zusammengepresst auf dreieinhalb Minuten? Oder handelt es sich am Ende bloß um einen Scherz, den irgendjemand ersann, um sämtliche gleichklingenden und nichtssagenden Bands fortan unter einem Sammelbegriff zusammenzufassen? Wenn ja, sind alle darauf reingefallen. Die Chillwave überrollte alles, und jeder, der sich ihr in den Weg stellte, wurde weggespült. Plattentests.de macht dem Hype nun ein Ende und sagt, was es wirklich auf sich hat mit dem bösen C.

Denn wenn man sich einmal an einem Begriff aufhängt, ist es natürlich schwer, davon wieder abzulassen. Ein Liedchen davon singen kann Alan Palomo sicher, und er tut es auch. Unter dem Decknamen Neon Indian veröffentlichte er 2009 bereits das von Kritikern begeistert in Empfang genommene "Psychic chasms", zwei Jahre später legt er mit "Era extraña" - zu deutsch: "Es war seltsam", oder auch "Seltsame Zeit" - noch einen drauf. Und seltsam muss die Zeit für Palomo in der Tat gewesen sein. Kein Grund für ihn, nicht genau an der Stelle weiterzumachen, an der er aufgehört hat. Weil das böse C nun aber so negativ behaftet ist und es mittlerweile so viele seiner Art gibt, musste sich Palomo etwas einfallen lassen. Warum also nicht vom heißen Texas ins kalte Finnland ziehen und die zwölf neuen Songs dort aufnehmen? Gesagt, getan. Dann kann man in Interviews auch viel spannendere Geschichten erzählen. Dass er etwa einmal von einem Landstreicher verfolgt wurde, dürfte man bald in sämtlichen Rezensionen nachlesen können - immerhin lenkt das von der Genrediskussion ab.

Aber im Grunde geht es genau darum auch auf "Era extraña". Der nicht mal einminütige Opener "Heart: attack" macht keinen Hehl daraus, dass den Hörer mehr Loopings erwarten als bei einer großen Kunstflugshow. Das angenehm tanzbare "Polish girl" weckt Erinnerungen an die Achtziger (ein typisches Merkmal fürs böse C), während "Halogen (I could be a shadow)" wie in einer irren Schraube immer weiter nach oben zu drehen scheint. Der Unterschied zu "Psychic chasms" wird schnell deutlich: "Era extraña" klingt voller und mächtiger. Selbst ein im Vergleich eher reduziertes Klangmonster wie "Future sick" kann diesen Umstand kaum verbergen, und auch "Suns irrupt" trumpft mitsamt Anleihen bei LCD Soundsystem ordentlich auf. Was auch immer es also sein soll, dieses seltsame C, Palomo hat es begriffen - und gar nicht seltsamerweise ein sehr gutes Album daraus gebaut.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Polish girl
  • Era extraña
  • Halogen (I could be a shadow)
  • Suns irrupt

Tracklist

  1. Attack
  2. Polish girl
  3. The blindside kiss
  4. Hex girlfriend
  5. Heart: Decay
  6. Fallout
  7. Era extraña
  8. Halogen (I could be a shadow)
  9. Future sick
  10. Suns irrupt
  11. Heart: Release
  12. Arcade blues

Gesamtspielzeit: 42:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Pinkiepunk
2015-11-05 09:48:20 Uhr
Wiesn die neue so?
hiv
2011-09-11 11:02:32 Uhr
gefällt mir bisher schon recht gut, erinnert vielleicht zu sehr an m83.

wieso "schon"? wieso "vielleicht zu sehr"? dir ist echt nicht mehr zu helfen.
Cosmic Trigger
2011-09-09 19:23:57 Uhr
Ist ganz gut geworden. Vielleicht nicht ganz so charmant-verpeilt wie das Debut, aber Songs wie "Hex Girlfriend" oder "Halogen" find ich hier grad superspitze-megadufte. Wer hats schon gehört?
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