Modeselektor - Monkeytown

Modeselektor- Monkeytown

Monkeytown / Rough Trade
VÖ: 30.09.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bass da

Drei Tage wach, die Hucke randvoll mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und ein Mädel in jedem Laden. Ja, das Leben an den Plattentellern stellt man sich gerne wie in "Berlin calling" vor. Dabei braucht es eine Menge Arbeit für den Erfolg - und natürlich nicht verschreibungspflichtiges Vitamin B. Vor ein paar Jahren ließ Thom Yorke mal in einem Interview den Namen des Duos aus Berlin fallen und seitdem ging es bergauf. Ihre dritte Platte bringen sie nun übers eigene Label auf den Markt mit einer Reihe sehr illustrer Gäste: Busdriver, Miss Platnum, Antipop Consortium sowie erneut Yorke und Otto von Schirach. Doch "Monkeytown" legten Modeselektor so an, dass es sich nicht anbiedert und auch die Features nicht für mehr Aufmerksamkeit genutzt werden.

Allein schon die sechs Minuten von "Blue clouds" geben sich mehr als Ansage denn als Einstieg. Technoid spulen Modeselektor da die gleiche Melodie wieder und wieder über den schlagenden Rhythmus. Keine Stimme fährt da den Synthieflächen in die Seite. Und das ist gut überlegt. Mit der gleichen Akribie hat das Duo die anderen Tracks entworfen. "Shipwreck" sitzt Yorke wie eine zweite Radiohead-Remix-Haut und Otto von Schirach bekommt hohle Beats für hohle Lyrics. Jedem das, was er verdient - und "Evil twin" wünscht man nicht mal Scooter als Single. Ein Großteil der Beats auf "Monkeytown" rumpeln vor sich hin, aber locker an der Zeit vorbei. Wer mag, kann da sicher drei Zeilen an elektronischen Genres und Einflüssen aufzählen, unterm Strich verkommt der Sound zu einem Brei aus Bass und nichtssagenden Beats. "Green light go" bekommt nicht mehr die Zerbrechlichkeit seiner Lyrics zwischen den breiten Beats unter. Das An- und Abschwellen drückt die Vocal-Spur nur mehr und mehr. In diesen Momenten kann sich "Monkeytown" nicht entscheiden, ob es auf der Tanzfläche oder an der Bar zuhause ist.

Thom Yorke schlägt diese Brücke in "This" zwar bravourös, aber da sind schon vierzig unentschlossene Minuten durchgelaufen. Zuvor passte nur Busdriver so perfekt auf die zerstückelten Takte von "Pretentious friends", auf dem er mal eben die Hook zerbombt. Miss Platnum und das Antipop Consortium machen ihre Sache zwar ebenfalls nicht schlecht, aber die Tracks sind einfach zu spannungsarm angelegt. Keine Wendung überrascht, die Effekte schütteten schon tausendundein Plattendreher auf die Massen beim Rave. Und Eigenheiten im Sound? Perlen fast komplett ab unter dem Bass. "Monkeytown" bleibt herzlich unentschlossen und ist eine dieser Platten, die einen mitten in der Nacht bei langen Autofahrten auf irgendeinem Spartensender in den Sekundenschlaf befördert. Von wegen drei Tage wach.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Pretentious friends (feat. Busdriver)
  • This (feat. Thom Yorke)

Tracklist

  1. Blue clouds
  2. Pretentious friends (feat. Busdriver)
  3. Shipwreck (feat. Thom Yorke)
  4. Evil twin (feat. Otto von Schirach)
  5. German clap
  6. Berlin (feat. Miss Platnum)
  7. Grillwalker
  8. Green light go (feat. PVT)
  9. Humanized (feat. Antipop Consortium)
  10. This (feat. Thom Yorke)
  11. War cry

Gesamtspielzeit: 55:46 min.

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