Lady Antebellum - Own the night

Lady Antebellum- Own the night

Capitol Nashville / EMI
VÖ: 30.09.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Hochdekoriert

Irgendwas muss ja dran sein an dieser Band. Zumindest, wenn man bereit ist zu glauben, dass in der Grammy-Jury Menschen sitzen, die ein bisschen Ahnung von Musik haben. Gleich fünf der begehrten Musiktrophäen haben Lady Antebellum bei den vergangenen zwei Verleihungen abgestaubt. Vier davon für "Need you now", den Song und auch das gleichnamige Album. Ein kurzer Blick nach rechts verrät, der Song versteckt sich auch auf "Own the night", ganz am Ende, für all die unwissenden Europäer, die noch nichts vom Hype um die Band mitbekommen haben oder immer noch denken, dass doch Arcade Fire den Grammy gewonnen haben.

Stimmt ja auch, keine Angst. "Need you now" war die Konkurrenz, die gegen die kanadischen Indie-Rocker ziemlich alt aussah und den "Album of the year"-Haupttitel verpasste. Auf "Own the night" haben Lady Antebellum das Konzept ihres Hitalbums konsequent in Richtung der nächsten Grammy-Verleihung weitergedacht. Mit mehr Pop und weniger Country nähert sich die Band bis auf Armlänge an den Durchschnittshörer an. Zumindest an den amerikanischen. Denn die dortige Beliebtheit der Band geht nicht zuletzt auf die Popularität von Countrymusik im radiotauglichen Popformat zurück.

All das wäre kein Problem, wenn die Band auf "Own the night" nicht regelmäßig zur eigenen Kopie verkommen würde. "Just a kiss", "Wanted you more", "Cold as stone" - viele der Songs prügeln sich geradezu darum, die exakteste Kopie von "Need you now" zu sein. Slide- und Westerngitarren, Mandoline und sonstiges Country-Instrumentarium hat kaum noch Platz in den Songs. Stattdessen macht sich das auch nicht sehr Wild-West-mäßig gespielte Balladen-Piano überbreit und lässt allenfalls ein bisschen Platz für kitschige Streicherarrangements, die Erinnerungen an die Titelmelodie von "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft" wach werden lassen. Ausnahmen gibt es, sie sind aber selten. "Friday night" benutzt eine klassische Western-Melodie, verzerrte Gitarren und hängt sich mit seinem sonnigen Refrain gutgelaunt hinter das Cabrio-Steuer. Und die melancholischen Slidegitarren des Openers "We owned the night" kann man auch gut finden.

Für eine Band mit einem dermaßen politisch aufgeladenen Namen - mit "Antebellum" bezeichnen die US-Amerikaner die Periode vor dem Bürgerkrieg von 1861 bis 1865, der immer noch prägendsten Katastrophe in der Geschichte des Landes - ist das ein allerdings bisschen dünn. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es eine große Zahl an engagierten, experimentierfreudigen Alternative-Country-Bands gibt, die Geschichten zu erzählen haben und sich nicht scheuen, ihre Wurzeln etwas deutlicher vorzuzeigen. Lady Antebellum müssen aufpassen, sonst schnappt ihnen eine dieser Bands den nächsten Grammy vor der hübschen Nase weg.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • We owned the night
  • Friday night

Tracklist

  1. We owned the night
  2. Just a kiss
  3. Dancin' away with my heart
  4. Friday night
  5. When you were mine
  6. Cold as stone
  7. Singing me home
  8. Wanted you more
  9. As you turn away
  10. Love I've found in you
  11. Somewhere love remains
  12. Heart of the world
  13. Need you now

Gesamtspielzeit: 51:38 min.

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