Knorkator - Es werde Nicht

Knorkator- Es werde Nicht

Tubareckorz / Rough Trade
VÖ: 16.09.2011

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Alle Neine

Knorkators Lieblingssport: Sie sagen nein. Zu sich selbst, vermutlich auch zu deutschem Wasser und sowieso zu all denen, die sie erfolglos beknien, im siebzehnten Jahr ihres Bestehens doch bitte endlich den Niveaubunker zu verlassen. Doch jetzt hatte Deutschlands meiste Band der Welt ein Einsehen und hat ihre Auflösung nach "Das nächste Album aller Zeiten" revidiert. Womöglich aber nur ein publikumswirksamer Schachzug: Nach dem noch überschaubaren Zeitraum von drei, vier Jahren muss man jedenfalls nicht zwingend von Reunion oder Comeback sprechen. Zumal sich bei Stumpen, Alf Ator und Buzz Dee wenig getan hat. Von allen guten Geistern verlassen, wunschgemäß grauenhaft, unerträglich witzig - auf "Es werde Nicht" bleibt alles beim Alten. Und das gleich in mehrerlei Hinsicht.

Dass Knorkator nicht nur mit sinnfreien Böser-Mann-Persiflagen und karikiertem Hartwurst-Metal, sondern auch mit Coverversionen namhafter Pop-Hits wuchern, lässt nämlich nur so lange aufhorchen, bis man merkt, dass "Faster harder Scooter" und "Geboren" von den Fantastischen Vier im Grunde olle Kamellen sind, die bereits auf den entsprechenden Tributalben auftauchten. Und den Soul-Disco-Klassiker "Ain't nobody" von Rufus mit einer, nun ja, ansatzweise souligen Disco-Fassung zu bedenken, taugt allenfalls als schaler Treppenwitz, der sich selbst nicht sicher ist, ob er überhaupt einer sein will. Post-Ironie entschuldigt eben längst nicht alles - auch wenn die drei ihren nicht komplett von der Hand zu weisenden Unterhaltungswert auf diesem Album dann doch vereinzelt belegen.

Die trocken ratternde Neue Deutsche Härte von "Du nich" entlockt einem dank Zeilen wie "Ich kann den Todeszeitpunkt einer Wasserleiche am Geschmack erkennen" immerhin ein Schmunzeln, "Warum" lässt wie üblich Gothic und Todeskunst vor den Briefkasten laufen, und die Kinderstimme beim pöbelnden "Arschgesicht" ist wenn nicht originell, dann doch ein Farbtupfer, von denen "Es werde Nicht" noch weitaus mehr hätte vertragen können. Ansonsten halten Knorkator einen bedenklichen Standard, der sich in nahezu jeder Hinsicht schon seit Jahren erschöpft hat. "Du bist schuld" drischt leere Phrasen im Sekundentakt, und "Kinderlied" beklagt die lieben Kleinen, die von ehrgeizzerfressenen Eltern zu Castingshows und in Tonstudios geschleift werden. Würden Knorkator stattdessen einmal das eigene Talent kritisch hinterfragen - die Erkenntnisse wären verheerend.

Denn ihre Inhalte sind so tolldreist unlustig wie ihre musikalischen Mittel limitiert und altbacken. Stromgitarrenbretter im Refrain mit nervtötender Kopfstimme entstellen, um gesangliche Uninspiriertheit zu überspielen - stets ein Mittel der Wahl. Stumpfe Nu-Metal-Grooves wiederkäuen, die sich selbst H-Blockx oder Such A Surge schon seit geraumer Zeit nicht mehr getrauen - auch gerne genommen. Und dass sich auf den letzten Drücker doch noch das obszöne Synonym fürs weibliche primäre Geschlechtsmerkmal einschleicht, obwohl es nicht aus der Trackliste hervorgeht - darauf sind sie sicher besonders stolz. Denn nach wie vor gilt: Knorkator wissen leider, was sie da machen. Keine Musik für die Menschheit unter fortwährender Verweigerung von Originalität. Nein danke.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Du nich
  • Arschgesicht

Tracklist

  1. Du nich
  2. Arschgesicht
  3. Du bist schuld
  4. Warum
  5. Refräng
  6. Ain't nobody - Knorkator 2011
  7. Faster harder Scooter
  8. Kinderlied
  9. Bleib stehn
  10. Auf dem See
  11. Geboren
  12. Sofort

Gesamtspielzeit: 41:54 min.

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