Roots Manuva - 4everevolution

Roots Manuva- 4everevolution

Big Dada / Rough Trade
VÖ: 07.10.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der Ballermann

Neue Dinge verlieren ihren Glanz. Die neuen Top Ten Hi-Treter von adidas müssen irgendwann über die Füße, Hunter S. Thompsons "The Rum Diary" bekommt seine ersten Eselsohren und auch Platten haben diesen eigenen Duft, den sie nur kurz verströmen, wenn man die Folie abgerissen hat. Genauso ähnlich verfliegt die Aufregung, wenn sich Künstler über einen bestimmten Zeitraum in ihren Genre etablieren. Rodney Hylton Smith gab dem HipHop von der Insel frische Impulse, setzte direkt zwischen die Beats ein sattes Geflecht aus Dub und Reggae und schaffte es irgendwie, sich von Platte zu Platte merklich weiterzuentwickeln. Sobald die Folie runter war, verströmte sich wieder dieser Duft zwischen Innovation und neu bedrucktem Zellstoff. Mit "4everevolution" bringt Smith nun sein achtes Album heraus. Erste Ideen und Arbeiten dazu hielt er bereits vor zwei Jahren fest, noch vor seinem Zwischenspiel mit Wrong Tom. Den ersten Vorgeschmack lieferte bereits "Watch me dance". Der Song schaffte es auf die gleichnamige Platte von Toddla T und die in die Ablage für aussortierte Alben.

"Watch me dance" ist nämlich nur einen Biermischgetränk von der Großraumdisse entfernt. Toddla T steckte da zwar ein ganz netten Funk zwischen den Rhythmus, aber der Track zündet einfach nicht - auch nicht im neuen Kontext. Zwar wartet Manuva noch mit "Noddy" und "Go champ" auf, die sich sicher auch gut über die Tanzfläche streuen lassen würden, aber da schlummert ein Bass, der sich in den Kopf drückt. Im siebenminütigen "The throes of it" sind es die tiefen Töne, die den kargen Rhythmus auf ein paar Bewegungen abklopfen. Da von einem antiquiertem Sound zu sprechen, wäre zu viel, aber trotzdem hängt diese Platte größtenteils ein paar Jahre hinterher. Roots Manuva diktierte einst die Takte im UK-HipHop, aber dieser halbe Schritt weiter in die größere Öffentlichkeit, gerät doch eher zum Rückschritt. Auch die meisten Features fügen sich in dieses Bild. "Skid valley" arbeitet die Ursachen für die jüngsten Unruhen in London ab, auch wenn sie in den Lyrics so nie direkt zur Sprache kommen. Aber musste dafür echt Skin von Skunk Anansie geholt werden? Die Hook mit ihr gerät zu einem ganz schiefen Bild, das durch die dramatischen Streicher nicht besser wird.

Songwriterin Elan Tamara, eines der jüngeren Signings von Ninja Tune, schraubt sich in "The path" nicht so aufdringlich in den Vordergrund, sondern passt perfekt in diesen Track. Die feineren Beats, die sich um die Takte winden, kommen sowieso wesentlich spannender rüber, als etwa der breitärschige Hüpfer "Get the get". Auch der mit Chor bestückte Rausschmeißer "Banana skank" wechselt das Tempo im Track selbst und sorgt so für Abwechslung. Der Rest von "4everevolution" kennt durchweg nur eine Geschwindigkeit, in der die Platte dahin ballert. Das wirft zwar auch taugliche Songs wie "Crow bars" ab, aber für ein ganzes Album reicht die Luft einfach nicht. Auch wenn die Verpackung etwas anderes verspricht, so bietet Roots Manuva dieses Mal weder Evolution noch Revolution. Lethargie einschweißen, muss man aber auch erst einmal schaffen.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • The path
  • Banana skank

Tracklist

  1. First growth
  2. Here we go again
  3. Skid valley
  4. Who goes there?
  5. Watch me dance
  6. Revelation
  7. Wha'mek?
  8. Takes time
  9. Beyond this world
  10. Go champ
  11. Get the get
  12. Crow bars
  13. The throes of it
  14. Noddy
  15. Much too plush
  16. The path
  17. Banana skank

Gesamtspielzeit: 59:38 min.

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