Howling Bells - The loudest engine

Howling Bells- The loudest engine

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 09.09.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zu neuen Ufern

Es soll die große Emanzipation bedeuten. Das, was Journalisten immer etwas abschätzig als "erwachsen werden" bezeichnen. Juanita Stein möchte einfach nicht mehr nur die niedliche Frontfrau der australischen Howling Bells sein, die schon immer etwas darunter litten, dass sie leichtfertig mit den Cardigans in einen Topf geworfen wurden. Und dabei jedes Mal den Kürzeren zogen, ja ziehen mussten. Jetzt also der Neustart mit dem dritten Studioalbum "The loudest engine", das in seiner Gesamtheit deutlich düsterer als seine Vorgänger geworden ist. Doch auch hier haben sich Howling Bells nicht gerade bemüht, etwaige Referenzen zu vertuschen - nur, dass diesmal der Name Warpaint als erstes fallen könnte. Denn inzwischen klingen sie ähnlich wie das großartige amerikanische Damenquartett. Nur eben viel weniger sperrig.

In den besten Momenten wird "The loudest engine" dieser recht hochgelegten Latte gerecht. Dunkel grollt beispielweise die famose erste Single "Into the sky", schafft eine fast perfekte Symbiose der neu gewonnen Schwere mit der poppigen Leichtigkeit früherer Tage und gibt einen der besten Songs der Band überhaupt ab - eindeutig der Höhepunkt dieses Albums. Das dazugehörige Video unterstreicht das Ganze mit psychedelisch bunt wabernden Schlieren, die sich über eine entrückt im Dunkeln vor sich hintanzende Sängerin legen. Auch "The wilderness" mit seinem überraschenden Noise-Ausbruch nach hinten raus oder das leicht funkige "Secrets" sowie "The faith" sind verführerische Popsongs, die sich von einer geheimnisvollen Aura umhüllen lassen.

"Into the sky" hätte also alle Anlagen, um ein großes Album zu sein, gäbe es nicht auch diese lustlos vor sich hin dümpelnden Songs, die vollkommen egal und deswegen so ärgerlich sind. Gefühlige Leichtgewichte wie "Don't run" und "Live on" hemmen den Fluss des Albums leider zusehends - und einen blöderen Opener als "Charlatan" hätten die Howling Bells kaum wählen können, um einem den Einstieg von vorneweg gleich etwas madig zu machen. "The loudest engine" ist also nicht die große Emanzipation geworden. Aber der Weg hin zu neuen Ufern ist geschafft, und dieses Album gibt hier und dort einen guten Eindruck, wohin die Reise jetzt gehen könnte. Ab in die Mündigkeit!

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Into the sky
  • The faith

Tracklist

  1. Charlatan
  2. Into the sky
  3. The wilderness
  4. Secrets
  5. Don't run
  6. The faith
  7. Live on
  8. Loudest engine
  9. Gold suns, white guns
  10. Sioux
  11. Baby blue
  12. Invisible

Gesamtspielzeit: 41:25 min.

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  • Howling Bells (43 Beiträge / Letzter am 02.06.2014 - 18:40 Uhr)

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