Firewater - Psychopharmacology

Firewater- Psychopharmacology

Jetset / Nois-O-Lution / Indigo
VÖ: 25.02.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gehirnwäsche

Es wird sie immer geben, die in schlecht sitzende Anzüge gekleideten Typen, die einfach die Musik machen, die sie gerne mögen. Fernab von Wellen, gestreckten Hypes und angeblich angesagten Stilen machen so ein paar Bands einfach ihr Ding und hoffen, daß sie bei ein paar Menschen den Verstand anheben und die Herzen öffnen. Firewater sind so ein Fall, und dafür bin ich persönlich sehr dankbar. Eine Horde alter Männer, geläutert und gegerbt durch die Vorschusslorbeeren, schon in hochdotierten Bands wie Jesus Lizard oder Soul Coughing mitgespielt zu haben.

Diese Grandseigneurs der alten Schule haben hier auf dem Kontinent schon jede Sorte Kakerlaken tanzen gesehen. Trotz der Bürde des schleichendes Alters haben Firewater die Kurve bekommen, mit ihrem dritten Album die Qualität zu halten, die man als Fan dieser Musik erwartet. Diese Band hat nicht zu dicht am Feuer geparkt, um inzwischen esoterische Gurus zu beschwören. Nein, Firewater sind nicht eine von den Lehrbuchfällen, die zu langweiliger Alte-Männermusik gewechselt sind, die gleichermassen dem Geiste Jesus Christus und dem der Anonymen Alkoholiker entspringt. Hier ist eine Rockplatte im allerbesten Sinne vorzufinden, die drei Durchläufe braucht, bis die Ohrwurmqualitäten sich so richtig auf die Schädelplatte eingefräst haben.

"Psychopharmacology" - der Titeltrack allein ist schon ein Gedicht: warm, gelassen, unaufgeregt, aber immer mit dem nötigen Ernst. Und hat dich dieser versteckte Melodiefaden erst einmal gefangen, steckst du ausgeliefert im Würgegriff. Ein Entkommmen ist zwecklos, und im diesem Falle muß man wirklich sagen: Gottseidank! Oder aber "Bad, bad, world" - nie zu weich, nie zu sentimental, nie zu melancholisch, nie zu platt: einfach angenehm schnörkellos und genau auf den Punkt. Und das gibt es gleich im Zehnerpack auf nur einem Album. Ja, es dürfen Superlative bemüht werden.

Zu besseren Information und eigenen körperlichen Ertüchtigung habe ich mir gestern abend nochmal das Hammer-Album "Release" angehört, aus Zeiten, als der Firewater Sänger Todd A. noch bei Cop Shoot Cop das Brüllaffchen markierte. Doch eigentlich war das überhaupt nicht nötig. Natürlich ist Firewater ein komplett anderes Paar Schuhe als die ehemaligen Avantgarde-Helden aus NYC und dieser Verweis soll jetzt auch nicht von diesem Longplayer ablenken, der für mir meine Begriffe schon jetzt eines der zentralen Alben aus dem Jahre 2002 sein wird. Alben, die genau zwischen dem 35. Geburtstag meiner Schwester (24.02.) und dem 70. Geburtstag von Johnny Cash (26.02.) veröffentlicht werden, können für mich eigentlich nur eins sein: herausragend!

(Peter Hesse)

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Highlights

  • Psychopharmacology
  • Get out of my head
  • Bad, bad world
  • Black box recording

Tracklist

  1. Woke up down
  2. Psychopharmacology
  3. Fell off the face of the Earth
  4. Get out of my head
  5. 7th avenue static
  6. Car crash collaborator
  7. Bad, bad world
  8. The man with the blurry face
  9. Black box recording
  10. She's the mistake

Gesamtspielzeit: 40:16 min.

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