Favez - (From Lausanne, Switzerland)

Favez- (From Lausanne, Switzerland)

Sticksister / Stickman / Indigo
VÖ: 25.02.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The golden core

Endlich gibt es wieder ein Stück erfreuliche Musikalität aus dem Land zu vermelden, von dem so mancher ignorante Deutsche bis tief in die Neunziger dachte, daß man dort a) vornehmlich in Bankschließfächern oder in Holzhütten auf der Alm lebt und sich b) unsägliche DJs Namensähnlichkeiten mit Allerwertesten leisten. "(From Lausanne, Switzerland)" heißt die neue Favez, doch mit dem Titel ist keineswegs Heimatverbundenheit à la vertonte Rütli-Schwüre oder "Geistige Landesverteidigung" gemeint. Die Schweizer hat es wie schon beim Vorgänger "Gentlemen start your engines" über den Teich verschlagen, wo Produzent John Agniello in Hoboken, New Jersey für eine heftig amerikanische Produktion gesorgt hat.

Kurz, schnörkellos, prägnant und knackig sind die Songs von "(From Lausanne, Switzerland)". Natürlich hat der Vierer das Leise-Laut-Leise-Laut-Spiel nicht neu erfunden, doch sie beherrschen es aus dem Handgelenk, zehn Songs mit gleichem Schema zehnmal anders klingen zu lassen. Und es bleibt einem nichts anders übrig, als wieder die schon viel zu oft bemühte "This-kicks-verdammt-nochmal-Ass"-Keule zu schwingen. Hammerriffs folgen den zarten Strophen-Pickings, ein Drumsound manchmal nahe an der Helmet-Perfektion, fast poppige Gesangslinien, wieder zerstört durch ein Noise-Geschrammel. Emocore? Noiserock? Indie? Hardrock? Gitarrenpop? Die Mischung macht's bei Favez, und sie haben ihre eigene, kleine Spielwiese konsequent ausgebaut.

Zudem schaffen sie etwas, was den meisten dieser "Gib-mir-den-korrekten-Rock-Baby"-Bands nicht ansatzweise gelingt: "And it rains like hell" ist die kleine Ruheinsel im Riffbecken, ein grandioses Anti-Skip-Gewitter, die die Essenz aller Motorpsycho-Epen auf dreieinhalb Minuten komprimiert. Mit so viel steigernder Intensität gespielt, dass der Hörer nervös mit dem ganzen Körper ruckelt, mit einem sabbernden Verlangen vor den Boxen sitzt und auf die Gitarreneruption wartet. Doch es bleibt bei der melancholischen Halbakustischen mit Slideeinsatz - der kleine ironische Mittelfinger inmitten der vielen ausgestreckten Zeigefingern. Nur "Troubled life blues" fällt noch aus dem Rahmen - ein Stück, das eher als B-Seite zu Zeiten des akustischen Debüts "A sad ride on a line again" getaugt hätte. Aber ansonsten heißt es getreu dem Songtitel "I brake for no one": Gentlemen, your engines are still running!

(Daniel Löb)

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Highlights

  • Don\'t let the riot in
  • Someday all this will be mine
  • And it rains like hell

Tracklist

  1. The ages of wonders
  2. Someday all this will be mine
  3. Show me how to groove
  4. Don't let the riot in
  5. Chasing honesty
  6. And it rains like hell
  7. Son of steve mcqueen
  8. I brake for no one
  9. Come on give me a smile
  10. Live from the kilby court
  11. Memories of the ones we hate the most
  12. Troubled life blues

Gesamtspielzeit: 37:53 min.

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