Peter Wolf Crier - Garden of arms

Peter Wolf Crier- Garden of arms

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 09.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Klöppeln für die Zukunft

Oh nein! Nicht schon wieder einer dieser hutzeligen Singer/Songwriter mit langem Bart und traurigen Augen, der im Fahrwasser von Bon Iver und der nun bereits etwas länger andauernden Freak-Folk-Welle mitgondelt. Entwarnung: Peter Wolf Crier ist gar kein einsamer Liedermacher, sondern ein Duo aus Minneapolis, das seine Wurzeln zwar tief im Folk sieht, sich aber auf seinem mittlerweile zweiten Studioalbum "Garden of arms" ein ganzes Stück davon entfernt. Peter Pisano und Brian Moen bewundern nunmehr nicht mehr nur Wilco und Justin Vernon, sondern haben seit ihrem selbstbetitelten Debüt vor gut einem Jahr anscheinend ausgiebig die Radiohead-Platten ab "Hail to the thief" studiert. Anders ist die lautstarke Evolution des Sounds der beiden Amerikaner jedenfalls nicht zu erklären.

Viel experimentierfreudiger als bisher präsentieren sich Peter Wolf Crier auf "Garden of arms". Insbesondere Moens Perkussion zaubert so einige neue Facetten in den Bandsound, die Pisano freudig mit schrummeligen Gitarrenlinien konterkariert. Die beiden probieren noch so sehr an ihren eigenen Idee von Folk herum, dass ihr Zweitling ein interessantes, wenn auch nicht immer schlüssiges Experimentierfeld geworden ist. Was gar nicht schlimm ist, weil nur so ein solch seltsamer Song wie "Right away" entstehen kann: Über rückläufige Gitarren und geisterhafte Hintergrundstimmen klöppelt sich Moen einen Knoten in die Arme, während Pisano seinen hypnotischen Falsettgesang als stärkste Waffe einsetzt. "Right away" zerfällt zwar zuweilen in seine Einzelteile, ist aber gleichzeitig mit seinen kurzen drei Minuten hervorragend auf den Punkt gebracht.

"Garden of arms" wird glücklicherweise selten maßlos. Nur kurz überkommen einem in "Krishnamurti" Zweifel, ob das zu dick aufgetragen ist, ob die kleine Reminiszenz an Wolfmother nicht zu viel ist für Peter Wolf Crier. Doch dann lässt man sich einfach treiben mit diesem wilden Gewusel und verliert für einen kurzen Augenblick selbst die Bodenhaftung. Meistens versuchen es Pisano und Moen jedoch über die Atmosphäre und nicht über den großen Knall. Wie gesagt: Die jüngeren Radiohead-Platten haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Flucht in den Elektro könnte für diese Band in Zukunft eine echte Option sein, um sich nicht in sich selbst zu verheddern und Stagnation als Entwicklung zu verkaufen.

Wenn sie die sakralen Züge von "Having out out" und "Never meant to love you" beibehalten und sich Herz und Seele bewahren, brauchen sich die beiden um ihre musikalische Zukunft jedenfalls keine Sorgen zu machen. Pisano und Moen wissen im Moment zwar noch nicht, wohin es mit Peter Wolf Crier gehen soll, sind aber auf der Suche nach dem richtigen Sound und der passenden Ausdrucksform. "Garden of arms" bröckelt vor sich hin und droht in manchen Augenblicken auseinanderzufallen. Aber genau deshalb ist dieses Album so herrlich verschroben und explosiv geworden. Und genau deshalb kann sich Moen so wunderbar am Schlagzeug austoben und Pisano den Sound in alle erdenklichen Richtungen laufen lassen. Peter Wolf Crier lassen sich so ziemlich alle Möglichkeiten offen - nur das mit der einsamen Hütte und den langen Bärten sollte sich nun endgültig erledigt haben.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Right away
  • Krishnamurti

Tracklist

  1. Right away
  2. Beach
  3. Having it out
  4. Krishnamurti
  5. Cut a hand
  6. Settling it off
  7. Hard heart
  8. Haunt you
  9. Loud enough to know
  10. Never meant to love you
  11. Wheel

Gesamtspielzeit: 37:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
abz
2011-09-28 14:53:12 Uhr
Tolles Album ebenso wie der Vorgänger (der vielleicht noch etwas mehr aus einem Guss ist). Hatauf jeden Fall mehr Resonanz verdient.
Einfach mal reinhören.
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