Maxim - Asphalt

Maxim- Asphalt

Rootdown / Soulfood
VÖ: 23.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die kleinen Glücksmomente

Nach dem Protest wartet das Büro. Das Fließband reicht einen weiter von dem jugendlichen Widerstand hin zu Kindersitz und Reihenhaus. Danach folgt fast schon die Holzkiste. Willkommen im Leben. Also, auf dem Papier hat der 29-jährige Maxim aus Köln schon verloren. Wäre ja noch schöner, wenn jeder machen könnte, was er für richtig hält. Nach dem Start im Reggae sich nun den Songwritern anzunähern, kommt bei den alten Fans genauso gut an wie die singenden Rapper in der HipHop-Gemeinschaft. Aber Maxim hat keine dreißig Silberlinge kassiert, geht nicht über Los, sondern entwickelte sich schlicht und einfach weiter. Das heißt in der deutschsprachigen Musiklandschaft nun einmal, dass der Künstler fortan unter dem Verdacht steht, Pop für die Massen zu machen.

Jede Silbe der Texte wird drei Mal umgedreht, bevor sie für tauglich befunden wird. Und genau an dieser Stelle wäre Maxim raus, wenn er nicht das Talent besitzen würde, die Dinge beim Namen zu nennen. "Schaufenster" jammert nicht, sondern gräbt die Vorstadt-Ödnis wie einen alten Knochen aus. Maxim bedient sich klarer Worte und lässt sie durch seine Platte fließen. Klar, wer es Pop nennen will, soll das tun. Aber nicht für die Massen, sondern für Maxim selbst. Denn zwischen den schmeichelnden Tracks wie "Schüsse in die Luft" findet sich auch "Blinde Fäuste", ein Krawallmacher, der auf der anderen Seite der Faust steht. "Schon holt der Krankenwagen Dich ab." Klar, die Angst, dass Worte eben nicht stärker sind als Tritte. Und Maxim findet auch keine Lösung gegen Testosteron und Gewalt. Durch "Asphalt" zieht sich ein Riss im eigenen Selbstverständnis.

Kein jugendlicher Drang, kein Stolz, sondern nur die Perspektivlosigkeit, der Maxim Worte verleiht. Und das unterscheidet ihn vom Rest der deutschsprachigen Musikszene. Liebe könnte bei Maxim ein Weg sein. Aber es bleibt nicht dabei. Hinter den klaren, festen Worten der Lyrics, die sich von der Akustikgitarre tragen lassen, wackelt es gehörig. "Asphalt" gibt sich zu reif, um wild zu sein, und zu wild, um reif zu sein. Die Beobachtungen finden nur noch am eigenen Ich statt und nur noch selten an der Umwelt. Auch die Reggae-Grinsekatze Jaqee zieht die Sache nicht in eine andere Richtung. Und zwischen all den kleinen Tragödien der westlichen Welt finden sich kleine Glücksmomente. "Immer wenn ich Pleite bin und es kommt kein Zeichen von oben / Und ich lasse den Kopf hängen, liegt da plötzlich ein Schein auf dem Boden." Maxim hat auf dem Papier verloren. Aber nicht auf dieser Platte.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Schüsse in die Luft
  • Blinde Fäuste

Tracklist

  1. Alles versucht
  2. Meine Worte
  3. Schaufenster
  4. Immer einen Kopf
  5. Asphalt
  6. Schüsse in die Luft
  7. Blinde Fäuste
  8. Immer wenn ich Pleite bin feat. Jaqee
  9. Es gibt da was
  10. Du redest und redest
  11. Gefährliche Zeiten

Gesamtspielzeit: 40:15 min.

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