Drowning Pool - Sinner

Drowning Pool- Sinner

Epic / Sony
VÖ: 25.02.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nasse Füße

"Mit 'Sinner' haben Drowning Pool ein musikalisches Monster von gigantischen Ausmaßen erschaffen", zitiert das Info der Plattenfirma den Produzenten Jay Baumgardner. Aber nein, eine musikhistorische Revolution werden die vier ertrinkenden Jungs aus Dallas beileibe nicht auslösen. Und Monster? Na ja, eher Krümelmonster, denen die Kekse geklaut worden sind. Doch was ringt dem Herrn Knöpfchendreher solch Begeisterungstürme ob seiner eigenen Arbeit ab? Um das zu verstehen genügt es, die Referenzliste von Baumgardner unter die Lupe zu nehmen: Papa Roach, Orgy, Coal Chamber, und nun eben Drowning Pool, die so etwas wie die Quintessenz der genannten Acts darstellen wollen, sieht man vom fehlenden Make-Up und Elektro-Spielereien ab.

Aber noch mal von vorn: Auch wenn Drowning Pool nicht unbedingt vor Originalität übersprudeln, machen sie ihre Sache nicht auffallend schlecht. Sie haben recht griffige und groovige Songs, keine allzu plumpen Texte und vor allem mit Dave Williams einen fähigen Schreihals am Mikrophon, dem von Panteras Gitarrero Dimebag in frühen Tagen der Spitzname "Stage" verpasst worden ist. Und diese Anekdote paßt wirklich ins Bild. Denn einerseits geht Williams live wirklich ab wie Zäpfchen, sofern das nach Videostudium zu beurteilen ist, und andererseits kommt er hinsichtlich Röhrfaktor stellenweise fast an Panteras Frontsau Phil Anselmo ran. Gut gebrüllt, Löwe!

Drowning Pool gelingt es gar, den Hörer trotz aller Vorbehalte Marke "Tausendmal gehört, tausendmal hat's mich gestört" an einem langweiligen Mittwoch-Feierabend ganz unverhofft dazu bringen, mit dem Fuß im Takt zu wippen und sich ein bißchen Lebensfrust hinfortzugrölen, ohne vor Scham rot anzulaufen. Das mag vor allem daran liegen, daß Drowning Pool eine direktete Gangart fahren, ohne auf Teufel komm komm raus auf Psychopath zu machen, und genügend Selbstbewußtsein besitzen, auch mal ganz einfach die Kuh fliegen lassen.

Auch wenn ein Album wie "Sinner" sicherlich keiner mehr braucht, der bereits alle Vorbilder im Schrank stehen hat ist es schon eine Leistung, anders als so viele Emporkömmlinge beim Vergleich mit etablierten Bands wie Machine Head oder Godsmack nicht den Kürzeren, sondern immerhin den Gleichlangen zu ziehen. Und so werden es Drowning Pool am Ende entweder unter starker "Mithilfe" ihres Labels schaffen, sich als härtere Alternative zu Papa Roach und Linkin Park zu etablieren oder - weitaus wahrscheinlicher(e) - inmitten von 4lyn und Sellerie im Bodensatz der New Metal-Suppe umherdümpeln. Was sie dann auch wieder fast nicht verdient hätten.

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • Sinner
  • Bodies
  • Tear away
  • Mute

Tracklist

  1. Sinner
  2. Bodies
  3. Tear away
  4. All over me
  5. Reminded
  6. Pity
  7. Mute
  8. I am
  9. Follow
  10. Told you so
  11. Sermon

Gesamtspielzeit: 37:30 min.

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