St. Vincent - Strange mercy

St. Vincent- Strange mercy

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 09.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mänade im Schafspelz

Der Mensch an sich lässt sich ja ungerne an der kurzen Leine führen. Generell zählen limitierte Bewegungsradien nicht zu seiner angestrebten Interpretation des Freiheitsbegriffs. Bei Annie Clark alias St. Vincent allerdings kann die Leine nicht kurz genug sein. Es herrscht ein nahezu masochistischer Drang, möglichst nah dran zu sein, an ihren Lippen, an dem, was sie sagt und in welch expressionistischer Form sie das in der nächsten Sekunde vermitteln wird. Insofern passt der offene, sich abzeichnende Mund hinter der Latexoptik auf dem Cover durchaus. Als Zeichen des er- und unterdrückten Staunens und eines im Keim ersticketem Schreis. "Strange mercy", der Name gibt die Richtung vor.

St. Vincents drittes Album ist keine leichte Kost. Die Songs sollen, wie sie selbst sagt, unmittelbar und direkt wirken, seien schlicht gehalten. Direktheit eckt an, ist auch für die Schwere der richtige Weg. Der Dreck wird fein säuberlich durch die Straßen gekehrt, von A nach B, von den düsteren Momenten in blendendes Licht, von der Lädiertheit ins Unverwundbare - und auch wieder zurück. St. Vincent beherrscht es seit eh und je, musikalisch wie stimmlich, das Bild des Leuchtfeuers im dunkelsten Raum mit Leben zu füllen. Andererseits: Warum soll ein zierlicher Körper mit einer elfenhaften Stimme keine Täler durchschreiten? "I've had good times with some bad guys", erklärt sie in "Cheerleader".

St. Vincent fährt dieses Mal ein Mini-Moog auf, ein Calvinet, den alten Wurlitzer und konstruiert sich mit ihrer Gitarre als zweitem Hirn ein elektronisches Konstrukt, das sich aufblasen kann wie eine Hüpfburg und langsam zusammenrunzelt wie Haut nach drei Stunden in der Badewanne. Schon durch "Chloe in the afternoon" trägt sich ein satter Bass, als habe er mit wirrem Blick Björks "Army of me" verfolgt. In "Cruel" sind Gitarre und Drumbeat ein harmonisierendes Springinsfeld, während St. Vincent "Cruel" elegisch flötet: "Bodies can't you see what everybody wants from you?". Der Titeltrack verschwindet fast im Ambient, in "Neutured fruit" hat sich der Funk versteckt, und "Champagne year" packt sich als Pausenproviant die Tonfolge von Leonard Cohens "Hallelujah" mit ein. Entweder kann Clark einfach keine schlechte Alben veröffentlichen, oder aber - und das ist wahrscheinlicher - seit "Marry me" ist man ihr einfach hörig. Diese Mänade im Schafspelz hat die Leine doch glatt wieder gekürzt. Gut so.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Chloe in the afternoon
  • Cruel
  • Surgeon
  • Northern lights
  • Dilettante

Tracklist

  1. Chloe in the afternoon
  2. Cruel
  3. Cheerleader
  4. Surgeon
  5. Northern lights
  6. Strange mercy
  7. Neutered fruit
  8. Champagne year
  9. Dilettante
  10. Hysterical strength
  11. Year of the tiger

Gesamtspielzeit: 40:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
saihttam
2012-04-16 23:20:58 Uhr
habs übrigens mittlerweile geschafft mir das video anzusehen. war gar nicht so schwer. kein grund sich gleich gegenseitig zu beleidigen. :)
bin ja mal auf die angekündigte Kollaboration mit David Byrne gespannt. das album erscheint wohl im herbst.

http://pitchfork.com/news/46175-st-vincent-talks-david-byrne-collaboration/

2012-02-08 11:49:15 Uhr
schon mal von vimeo gehört, ihr pwn-noobs?
Diver
2012-02-08 01:40:41 Uhr
Poste bitte mehr, ich hol mir nur schnell Popcorn.
HV
2012-02-08 01:32:31 Uhr
es sucht vollautomatisch nach einem proxy, sobald ein gesperrtes video angezeigt wird, man muss nichts manuell betätigen, aber was rede ich mit euch, ihr klickt bestimmt immer noch irgenwelche pop-ups weg, weil ihr zu blöd fürs web seid.
...
2012-02-08 01:19:09 Uhr
"Steinzeit"? Lieber für jeden Scheiß ein Add-On, herunterladen, obwohl die Funktion schon im eigentlich Programm gegeben ist? O. K.
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