Smash Mouth - Smash Mouth

Smash Mouth- Smash Mouth

Interscope / Motor
VÖ: 25.02.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Runter wie Butter

Unlängst war eine Plattenfirma ganz knapp an der Krone dran: im Auftrag der Duisburger Universität wurden die Marketing-Flops des Jahres 2001 gesucht - immerhin Platz 12 sprang für Mercury Records raus. Weil ganz gewiefte PR-Strategen dem Soundtrack von "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" eine Teilnahmekarte zu einer Verlosung beilegten, bei der es als zweiten bis 21. Preis - tataa - den Soundtrack von "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" zu gewinnen gab. Das neue Jahr ist noch gar nicht so alt, und schon hat sich die Musikindustrie wieder was Neues und Originelles einfallen lassen, um beim genannten Contest vorne mitzumischen. Denn das lange Warten auf das neue Werk von Smash Mouth - dreieinhalb Monate nach dem US-Release wird es auch deutschen Hörern zuteil - sollte im Vorfeld durch die Ankündigung angeblicher Hammer-Bonustracks verkürzt werden. Und die entpuppen sich schließlich als nichts anderes als die zwei größten Smash Mouth-Hits vergangener Tage: "All star" und "Walking on the sun".

Obwohl "All star" dank rasenzerpflügender Autos in der Fernsehwerbung wieder aktuell aufgewärmt wurde, könnte die Maßnahme dem gewünschten Erfolg einen Strich durch die Rechnung machen. Für den Backkatalog erstens, weil man sich als Freund von gepflegter Radiomusik die beiden Vorgänger wegen ihrer Megaseller nicht mehr kaufen muß. Und für Smash Mouth zweitens, weil die "Bonüsse" das selbstbetitelte Album keineswegs aufwerten. Das Quartett aus Kalifornien verwässert nämlich die Erfolgsrezepte von "Fush yu mang" und besonders "Astro lounge" noch einmal mit einem zusätzlichen Schuß Weichspüler. Neuschlagwerker Michael Urbano ist der Entkalker, der zeitgemäße Grooves unter die Bläser- oder Keyboardfraktion und Gitarrenarbeit steuert. Alles gemeinsam im Schongang durchgemischt, damit die Waschmaschine auch keine Verdauungsbeschwerden bekommt. Destination Charts.

Sommer, Palmen, Sonnenschein an fast jeder Ecke: "Pacific coast party", "Holiday in my head" - die Titel sprechen Bände. Leider meist nach identisch aufgebauter Drei-Minuten-Machart. Bläser oder Keyboards im Wechsel mit Riffs oder Gezupfe, dazu die etwas nasal-heisere Singe von Steve Harwell. Für den Party-Zweck ist solche Mucke sicherlich gut geeignet und sicherlich ein schöner Soundtrack für kommende wärmere Frühlingstage, doch auf die Dauer wirkt Smash Mouths Selbstbetiteltes zu anbiedernd, und geht in der falschen Laune genossen wegen der Leichtverdaulichkeit ziemlich auf den Zeiger.

Stark sind die Kalifornier aber vor allem dann, wenn sie mal in der Grasnarbe am Rande ihres gewöhnlichen Gute-Laune-Pfads scharren und solche schmackhaften Trüffel wie "Out of sight" finden: Eine smoothe Akustik-Gitarre begleitet einen für Smash Mouth-Verhältnisse traurigen Song mit hübschem Keyboard-Solo, der von Harwell mit erstaunlichem Tiefgang vorgetragen wird und neben der beschwingten, bereits vom Shrek-Soundtrack bekannten Neil Diamond-Cover "I'm a believer" sicherlich die besten und langlebigsten Minuten auf Smash Mouths Album drei darstellt. Und ganz nebenbei: Das Cover wird von einem vielsagenden "Proof of purchase"-Aufkleber verziert, der um Nichtbeschädigung wegen zukünftiger Verlosungen bittet. Wenn sich bei den beiden Universal-Töchtern Mercury und Motor eine zentrale Stelle um die Gewinne kümmert, kann man sich schon jetzt die Preise zwei bis 21 ausmalen.

(Daniel Löb)

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Highlights

  • I\'m a believer
  • Out of sight
  • All star
  • Walkin\' on the sun

Tracklist

  1. Holiday in my head
  2. Your man
  3. Pacific coast party
  4. She turns me on
  5. Sister psyche
  6. Out of sight
  7. Force field
  8. Shoes 'n' hats
  9. Hold you high
  10. The in set
  11. Disenchanted
  12. Keep it down
  13. I'm a believer
  14. All star
  15. Walkin' on the sun

Gesamtspielzeit: 51:57 min.

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