Kodiak - Kodiak

Kodiak- Kodiak

Denovali / Cargo
VÖ: 09.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zeitlupe in Zeitlupe

Was genau definiert Beharrlichkeit? Das Kind an der Supermarktkasse und dessen Zunge voller Fragen? Das Leben an sich und evolutionär gesehen erst recht? Oder doch eher "Good Ol' Charlie Brown" und sein drachenfressender Baum? Die Gelsenkirchener Kodiak haben eine besondere Antwort gefunden: Tiefe, Ausdauer, schlechte Laune. Gerade mal ein Song ihres selbstbetitelten, all ihre bisherigen Veröffentlichungen dokumentierenden Debüts schafft es unter die 15-Minuten-Marke. Und der Großteil dieser zwei Stunden Musik besteht dann auch noch aus Tönen, die sich ausschließlich im Brummen und Ausklingen gefallen. Als würde Schlagzeug, Bass und Gitarren nach jedem Auftakt erstmal der Atem gefrieren - und das ausklingende graue Rauschen all die Eiskristalle erst ganz langsam wieder aus dem Blut herausvibrieren.

Dabei haben Kodiak nicht einmal, wie diverse Doom-mich-tots des Noise-Genres, die altehrwürdige Klangforschung im Repertoire. Sie haben lediglich ihre Spartanik. Den Gedanken, dass es nicht nur ein ganz speziell verschrobenes Gemüt benötigt, um solche Musik zu machen, sondern auch, um sie prima zu finden, spart man sich hingegen lieber - ebenso wie die Spitze, dass Kodiak vielleicht einfach die schillernde Zukunft ihres Heimatvereins vertonen. Man weiß ja nie. Und ganz so arg ist das alles dann auch doch nicht.

Die konventionellen Postrock-Aufbauten kennen Kodiak in- und auswendig, haben allerdings auch "Blade Runner" aus Versehen in Zeitlupe gesehen, während nebenan die Tonspur von "Erasurehead" über den Subwoofer dröhnte. Deshalb lassen sie ihre Frequenzen lieber beben, zittern und murren statt wie etwa Explosions In The Sky irgendeine Schönheit der Langeweile zu destillieren. Sprich: Irgendwann zuckelt jeder Song los, nur eben jeweils nach fünfzehn Minuten und nicht etwa nach vier bis sechseinhalb. Und zwar im Halsbrecher-Modus, in humpelndem Midtempo - sowie nach zu viel Erschöpfung, um jetzt wirklich noch Mitnicken zu können.

Dennoch bleibt die Frage, was das alles so prima macht. Nun, es ist die Tatsache, dass hier eine Band musiziert, die keine Fragen stellt. "Kodiak" zielt konsequent und kompromisslos auf das Unbewusste des Hörers. Hier, zurückgeworfen auf einen schockierend persönlichen Urschlamm aus Empfindungen, entscheidet sich alles, ohne dass Fragen auf Antworten warten würden. Keine Fliegenfänger, keine Rechenschaft, kein Fischen im Fass der Melancholie. Stattdessen, im Verstärker, im Gehirn, unter den Flügeln des Drachen: bloß zitternde Membranen.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • End
  • Town of machine
  • Xenon

Tracklist

  1. Beginning
  2. End
  3. Town of machine
  4. By the sea
  5. MCCCXLIX the rising end
  6. Radon
  7. Xenon

Gesamtspielzeit: 122:25 min.

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