Urlaub In Polen - Boldstriker

Urlaub In Polen- Boldstriker

Strange Ways / Indigo
VÖ: 02.09.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In der Hypnothek

Georg Brenner und Jan Philipp Janzen brauchen Urlaub vom Urlaub. Dabei ließ der Name ihres gemeinsamen Projekts stets vermuten, dass sich beide mit Urlaub In Polen dann und wann eher eine Auszeit von ihren Hauptbands Ken und Von Spar gönnten und nicht umgekehrt. Als Duo genügten sie sich meist selbst und bildeten ein weitgehend geschlossenes System, das nur gelegentlich Gastbeiträge befreundeter Musiker zuließ. Das gilt auch für Brenners und Janzens fünften Longplayer, und doch ändert sich einiges: "Boldstriker" ist ihr letztes Album. Womöglich waren die großartig verdrehten, stilistisch kaum festzunagelnden Vorgänger "Health and welfare" und "Liquid" einfach eine zu große Hypothek. Zum Glück ist auf Urlaub In Polen aber auch bei den musikalisch letzten Dingen Verlass.

"Boldstriker" lässt dann auch den Dom in Kölle oder zumindest den Loreley-Felsen vom Cover im Rheinland, bezieht sich weiterhin auf einheimischen Krautrock und allenfalls auf hypnotische Pop-Psychedelia britischer Prägung. Der Einstieg "Lore-ley I" kommt zwar erneut nur verzögert auf Touren, dann aber umso mehr: Der Basslauf nimmt zusehends Fahrt auf und verdichtet sich mit Space-Gitarre und dynamischem Schlagzeugspiel zu einem hektischen Loop-Rocker, bevor ein verspieltes Piano und in den Hintergrund gemischter Gesang für Abkühlung sorgen. Andere wären mit so etwas längst untergegangen - Urlaub In Polen retten sich problemlos ans Ufer. Dort warten schon die spröde Backbeat-Skizze "Oh beo, where art thou?" zum Trockenrubbeln und das Titelstück mit über alle Regler des Effektgeräts gezogenem Gesang.

Weitere Aktivposten: die breakbeatgetriebene Single "Snowwhite" mit ihren böse grollenden Synthies und "Rebel and waste", das sich zunächst als lockerer Pop-Shuffle tarnt, doch bald in knirschigen Noise-Rock umkippt. Spannungsgeladen flackernde Lichtblitze, die dieses Album dann nötig hat, wenn es eine Spur zu lange in einer Songstarre verharrt, wo auch keine konsequent durchgegniedelten Improvisationen weiterhelfen. "The velvet blues" hätte eine recht ereignislose Extended Version etwa genausowenig gebraucht wie andere Stücke die in der Waschküche stehenden Drums, deren betuliche Dezenz einigen Passagen von "Boldstriker" eine merkwürdige Distanziertheit verleiht. Doch vielleicht muss es so klingen, wenn man allmählich mit dem Aufhören anfängt. Nicht das allerschönste Ferienerlebnis also - zu erzählen gibt es trotzdem eine Menge.

(Thomas Pilgrim)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Lore-ley I
  • Snowwhite
  • Rebel and waste

Tracklist

  1. Lore-ley I
  2. Oh beo, where art thou?
  3. Boldstriker
  4. 6000ft beyond man and time
  5. Snowwhite
  6. The velvet blues (ext. version)
  7. Under liquid
  8. Rebel and waste
  9. Lore-ley II

Gesamtspielzeit: 42:56 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify