Jonathan Jeremiah - A solitary man

Jonathan Jeremiah- A solitary man

Island / Universal
VÖ: 12.08.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Besonders bescheiden

Sieben Jahre für etwas mehr als eine halbe Stunde. Zügiges Arbeiten ist nicht unbedingt eine Sache von Jonathan Jeremiah. Aber gut, Ding, Weile und Wille und so. Immerhin mussten aber auch die Ärmel des Jeanshemds nicht nur für das Cover hochgekrempelt werden. Als Nachtwächter in der Wembley Arena verdiente er die Moneten, um das Heritage Orchestra mit auf sein Debüt zu holen und die Produktion selbst durchzubringen. Analoge Wärme wie bei Motown sollte in den Tracks knistern. Keine schlechte Idee, die Nummer klappt bei Daptone ja auch. Doch Jonathan Jeremiah ist eher von Cat Stevens als von Sharon Jones beeinflusst. Daher legen sich die Arrangements bei "A solitary man" unter eine Schicht aus Folk, die Jeremiah aufgestockt hat. Um mehr Gefühl, um mehr Drama, um eben einfach mehr.

Allerdings dauert es ein wenig, bis das bemerkenswert in den Vordergrund rückt. Im ersten Moment ist "A solitary man" nämlich sehr zurückhaltend. In "Happiness" kreiseln ein paar Streicher, bevor die Drums und ein Hörnchen einsetzen. "I need a little bit of happiness, yeah." Ein klitzekleines wenig bisschen Glück darf es also sein. Auch der Titeltrack stapelt eher tief und gibt einem das Gefühl, dass Jeremiah rot anlaufe müsste, wenn Menschen ihm zuhören. Sollte er aber eigentlich auch, wenn er Textzeilen wie "Without you my whole life would be a lie" in seine Songs einstreut. Diese Harmlosigkeit drückt Jeremiah dem Hörer so mehr und mehr ins Ohr. Seine Songs handeln von Gefühlen, das kommt immer wieder. Ist ja auch gut so, aber er kann der Nummer absolut keine Neuigkeiten abringen.

Spätestens nach "See (It doesn't bother me)" fängt der Stich aber an. Genau wie "Heart of stone" drehen sich Gefühle und Magen auf links, egal wie klein Jeremiah seine Brötchen auch in die Auslage legt. Die Atmosphäre kippt da von nostalgisch zu altmodisch. Die Arrangements stecken steif fest im Ablauf. Alles quillt und drückt. Alles glatt und kalt. Alles trotz goldgelber Vintage-Polaroid-Sonne. Auch Jeremiahs dunkle Stimme nutzt da wenig. Zu viel Drama, zu viel Gefühl. Vielleicht funktioniert Bescheidenheit so beim Schraubenkauf oder Würfelspiel. Daheim auf jeden Fall nicht. Stücke wie "How half-heartedly we behave" versacken in dem Kontext der Platte leider fast komplett. Dabei laufen die Instrumente dort angenehm ineinander. Die Zurückhaltung und Magie schafft Jeremiah da mit simplen Mitteln. Die Streicher heben im richtigen Moment in Richtung Himmel, und die Melodie kitzelt leicht wie Grashalme unter den Füßen. Diese Leichtigkeit hebt die anderen Tracks aber leider nicht. "A solitary man" sucht zu oft zu mutwillig die Lücke im Jetzt, um in die Vergangenheit zu schielen. Das berührte damals nicht, heute nicht. Und auch nicht in sieben Jahren.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • How half-heartedly we behave

Tracklist

  1. If you only
  2. Heart of stone
  3. Happiness
  4. Lost
  5. The same old line
  6. How half-heartedly we behave
  7. See (It doesn't bother me)
  8. A solitary man
  9. Never gonna
  10. Justified
  11. All the man I'll ever be

Gesamtspielzeit: 37:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
rollator
2011-09-18 15:45:39 Uhr
Ja, gutes Album. Im Fadenkreuz von Terry Callier, Nick Drake und Tony Joe White. Natürlich irgendwie retro, aber gekonnt und besser als alle Duffys und Winehouses etcpp.
sad
2011-08-02 11:15:22 Uhr
ja. schwer okayes album. gefällt mir gut.
umpf
2011-08-02 10:34:59 Uhr
Album kommt am 12.8. laut amazon
eben hörte ich Happiness im Radio und dachte nur wow.Hat von der Musik her irgendwie was von den carpenters.
Auf das Album bin ich gespannt
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