The Horrible Crowes - Elsie

The Horrible Crowes- Elsie

SideOneDummy / Cargo
VÖ: 09.09.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zweite Sieger

In manchen Situationen kann man nicht gewinnen. Wenn man das Amt des Gesundheitsministers übernimmt, zum Beispiel. Wenn man versucht, beim Eurovision Song Contest seinen Titel zu verteidigen oder mit Borussia Dortmund die Sensations-Meisterschaft 2011 zu toppen. Und natürlich erst recht, wenn die eigene Band sich mit bestechend starken Alben unter den Fackelträgern der Rock'n'Roll-Flamme eingereiht hat. Eben wie im Falle von The Gaslight Anthem: Nach "The 59' Sound" und "American slang" lässt gespannte Hoffnung sich unmöglich vermeiden, wenn Frontmann Brian Fallon ankündigt, mit Roadie und Freund Ian Perkins ein Nebenprojekt zu starten. Besonders, wenn im Vorfeld alles so passend klingt: langsame, düstere Stücke? The National, Tom Waits, Nick Cave als Einflüsse? Sehr gut vorstellbar schien, dass Brian Fallon daraus die ein oder andere Großtat bastelt.

Nun ist "Elsie" tatsächlich sicherlich kein schlechtes Album. Kein Song zeigt besondere Schwächen, es gibt ausreichend Abwechslung und Atmosphäre. Neben dem Feuer, das The Gaslight Anthem entfachen büßt es allerdings an Strahlkraft ein. Vielleicht liegt das gerade daran, dass The Horrible Crowes immer wieder an eine abgedämpfte Version dessen erinnern, was Fallon mit seiner Erstband fabriziert: entschleunigt und finsterer, aber doch in eindeutiger Verwandtschaft - und in diesem Mittelweg nicht ganz so absolut.

"Elsie" ist nicht das intim-morbide Malen morscher Seelenlandschaften, das die Vorankündigungen vermuten ließen: Es gibt zwar die trägen Abgründe von "Cherry blossoms" oder "Blood loss", in denen Blut, Mord und Totschlag aufgetischt werden, genauso aber eben auch Gegenpole wie "Crush", das eher freundliche Rock/Pop-Romantik verbreitet, oder "Behold the hurricane": Die erste Single beweist mit bombensicherem "Oh oh oh"-Refrain Stadion-Qualität der solidesten Sorte, die Lead-Gitarre beharrt stoisch auf ihrer schlichten Quint-Begleitung. "Go tell everybody" wiederum liefert im Refrain zwar vertraute Hymnik, schlägt drumherum aber einen stampfenden Retro-Purzelbaum, der verwirrend nach Mando Diao klingt.

Viel Verschiedenes also, das The Horrible Crowes auch zweifelsohne beherrschen: die gebrüllte "Born to run"-Epik sowieso, wenn Fallon es doch immer wieder nicht lassen kann, sich diverse Organe aus dem Leib zu schreien. Die aus sinistrem Wispern gezimmerten Momente spart er sich aber nicht weniger. "I believe Jesus brought us together" ist zum Beispiel ein so stilvolles wie atmosphärisches Finale, dabei aber trotzdem nicht sonderlich aufregend. Dieses nicht ganz Hundertprozentige ist ein Knackpunkt, der auch an anderen Stellen existiert, aber natürlich: Glücklich schätze sich, wer auf diesem Niveau Grund zum Klagen geben kann und dabei noch Lieder wie das in seiner Zurückgenommenheit bestechende "Black Betty & the moon" hervorbringt. Und doch: Was bei manch anderem ein Sieg wäre, reicht bei Brian Fallon bloß, um nicht zu verlieren.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • I witnessed a crime
  • Mary Ann
  • Black Betty & the moon

Tracklist

  1. Last rites
  2. Sugar
  3. Behold the hurricane
  4. I witnessed a crime
  5. Go tell everybody
  6. Cherry blossoms
  7. Ladykiller
  8. Crush
  9. Mary Ann
  10. Black Betty & the moon
  11. Blood loss
  12. I believe Jesus brought us together

Gesamtspielzeit: 45:50 min.

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