Girls Names - Dead to me

Girls Names- Dead to me

Tough Love / Cargo
VÖ: 08.07.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Keinen Rock an

"Zieh Dir doch nen Rock an!" Ein Ratschlag, den übermotivierte Herren der Schöpfung gerne ihren vermeintlich zartbesaiteten Kumpels mit auf den Weg geben, wenn diese sich beim Extrem-Tequila weigern, die Zitrone ins Auge zu träufeln und das Salz durch die Nase zu ziehen. Danach gehen sie sabbernd auf Konzerte von Bands wie Sophia, Mona oder Yvonne und regen sich darüber auf, dass nur Typen auf der Bühne stehen. Und auch wenn bei Girls Names aus Belfast, die sich gleich nach allen Mädchen benennen, eine Frau Bass spielt, dürfte das Trio angesichts seines diesigen Sounds keinerlei Prognose bei Vertretern plumper Virilität haben. Zum Glück, möchte man sagen.

Alle anderen können, nein sollten sogar dranbleiben: Es geht nebulös weiter. Da, wo The Velvet Underground oder The Jesus & Mary Chain vor Jahrzehnten und Crystal Stilts oder The Blue Angel Lounge erst vor Kurzem aufgehört haben. Shoegaze, Post Punk, Psychedelia - die zukunftsweisendste Veranstaltung mag "Dead to me" nicht gerade sein. Aber dafür eine umso hochwertigere. Die Gitarren zersplittern klirrend auf einem ständig morphenden Schlagzeug-Bass-Teppich, und Cathal Cullys Stimme scheint zunächst ziellos durch die akustischen Rauchschwaden zu irren, findet aber stets den wunden Punkt.

Besonders "I could die" poltert zielstrebig in Richtung metaphysischer Friedhof der zarten Gefühle, wobei zwirbelnde Licks immerhin für etwas Aufheiterung sorgen. Schmerz lass nach. Doch trotzdem lassen Titel wie "I lose", "Bury me" oder "Kiss goodbye" keinen Zweifel: Mit den Protagonisten in Girls Names' dunkelgrauen Liedern geht es allmählich zu Ende. Wo The Drums zu ihren teils dräuenden Geschichten wenigstens noch fröhlich mit dem Hintern wackeln, flüchten sich die Nordiren mal in einen urbanen Surf-Beat mit unwirtlichem Betonboden der Tatsachen, mal in eine klapprige Baracke, in der Joy Divisions "Digital" in Endlosschleife läuft, aber "Nothing more to say" heißt.

Womöglich ein listig um die Ecke gedachter Witz, denn ein analogerer LoFi-Versuchsaufbau als hier ist nur schwer vorstellbar. Dazu zieht weißes Mischpultrauschen durch die kurz angebundenen, dadurch aber extrem konzisen Songs. Sterben in Schönheit - nichts leichter als das. Und damit die bösen Geister, die durch dieses Album huschen, am Ende nicht noch verschwinden, setzen sich Girls Names abschließend zu einer "Séance on a wet afternoon" zusammen und unterlegen sie mit rasselndem Space-Rock und gepeinigtem Effektpedal. Ein tosendes Ende vom Ende - die geifernden Mannsbilder haben da schon längst mit blutenden Ohren das Weite gesucht. Diese Weicheier.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • When you cry
  • Nothing more to say
  • Séance on a wet afternoon

Tracklist

  1. Lawrence
  2. I could die
  3. When you cry
  4. No more words
  5. Nothing more to say
  6. I lose
  7. Cut up
  8. Bury me
  9. Kiss goodbye
  10. Séance on a wet afternoon

Gesamtspielzeit: 28:41 min.

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