Airship - Stuck in this ocean

Airship- Stuck in this ocean

PIAS / Rough Trade
VÖ: 02.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Klein im Gernegroß

Komische Kostüme, ein Sänger mit der Biographie eines von Eichhörnchen aufgezogenen Rambo-Daumenlutschers, ein möglichst exaltiertes Gitarrenspiel: Ein wenig Theater und Tschingderassabumm hat noch nie geschadet. Zumal, wenn es darum geht, als blutjunge Band nicht bereits beim ersten Sprung in der Pfütze des Vergessens auszurutschen. Airship zeigen sich von all dem wenig beeindruckt und verzichten auf jeglichen Tand. Auf ihrem Erstwerk "Stuck in this ocean" deklinieren die vier Liverpooler das Indie-Poprock-Ebenmaß von seinen schwächsten Gliedern bis zu seinen Aushängeschildern durch. Muss reichen, muss reichen.

So klingt Sänger Elliott Williams generell, vor allem aber auf "Algebra" und "Invertebrate" nach Youth Groups Toby Martin, der, wie man weiß, sehr nach Death Cab For Cuties Ben Gibbard klingt, dem Prototyp von Everybody's Indie-Darling. Dann wieder, etwa beim Uptempo von "Kids" oder dem anfixenden rhythmischen Triggern von "Test", auch nach Belascos Tim Brownlow, der eben klingt wie Brian Molko, bekanntermaßen jedermanns liebster Knuddeltyp und Tochter-Tröster. Das wäre jetzt wahrlich zu oberflächlich argumentiert, wenn nicht genau diese Fixpunkte auch musikalisch absolut hinhauen würden - nimmt man noch eine Portion Wintersleep hinzu, die bekanntlich klingen wie alle anderen zusammen plus ein wenig R.E.M..

Allerdings muss man sagen: Auf ihrem Debütalbum zeigen sich Airship so frisch und voller Elan wie ihre Vorbilder zu ihren jeweils besseren Zeiten. Die Refrains öffnen sich allesamt wie die Jesuspose zum Sonnenaufgang, die Melancholie zeigt sich stets nachdenklich genug, versteigt sich jedoch nie allzu sehr ins Grüblerische oder rein Konzeptionelle. Das Vergnügen an lauten Gitarren und Effektpedalen zieht sich durch nahezu jeden Song, vor allem aber der Schlusssatz des achtminütigen "The trial of Mr. Riddle" demonstriert unbedingten Spaß am kraftvollen Geräuschwand-Riffing. Dennoch ist auch hier Kontrolle alles, sodass Airship nie in Noise oder gar Punk abrutschen wie die dänischen Kollegen Mob, anerkanntermaßen die wohl elegischsten Krachlatten, die Europa seit Längerem zu bieten hat.

All das sind Airship nicht, dann aber eben doch. Vor allem aber stehen sie für: auf Albumlänge melodiendurchtränkten Melancholiepop, ausgestattet mit der rhythmischen Kraft des amerikanischen Gitarren-Rock und den Walls Of Sound von Shoegaze. Wie so oft bei solchen Koordinaten, weiß man also nur zu genau, was einen erwartet. Dass man es dann aber auch noch bekommt, ist seltener und wunderbar zu hören. Einfach zu sein, wer man halt ist: oftmals Halligalli genug.

(Tobias Hinrichs)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Algebra
  • Kids
  • Spirit party
  • The trial of Mr. Riddle
  • Test

Tracklist

  1. Algebra
  2. Invertebrate
  3. Kids
  4. Gold watches
  5. Spirit party
  6. The trial of Mr. Riddle
  7. Organ
  8. Test
  9. Vampires
  10. This is hell
  11. Stuck in this ocean

Gesamtspielzeit: 52:14 min.

Bestellen bei Amazon