Thees Uhlmann - Thees Uhlmann

Thees Uhlmann- Thees Uhlmann

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 26.08.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Eine seltsame Reise

"Lights out tonight / Trouble in the heartland", singt Bruce Springsteen in der Eröffnung des legendären Albums "Darkness on the edge of town" und gibt damit den Weg vor für Thees Uhlmann. Der Tomte-Sänger wagt das Soloalbum und spinnt sich elf Songs zusammen, die allesamt groß und mächtig klingen, nach der E-Street-Band und langer Straße ohne Ziel. Dabei stellt sich Uhlmann ganz in die Tradition amerikanischer Storyteller wie eben Springsteen oder Seger und hat auch keine Angst davor, nach Tom Petty zu klingen. Uhlmann bleibt explizit, zitierfreudig und landet auch mit seinen neuen Begleitmusikern den einen oder anderen Singalong.

Mit Tomte hat das musikalisch nur bedingt zu tun, wenn man mal davon absieht, dass Uhlmann eben seine Stimme und Melodiekonstrukte bedienen muss. Die Instrumentierung ist breit gefächert: Von der Mundharmonika zum Akkorden zum Klavier sind es hier nur wenige Schritte. Ein kleiner Song wie "Paris im Herbst" kann sich da schon mal als Seemannslied tarnen und die ausgetretenen Pfade des Indie-Rocks verlassen. Und dialektbehaftetes Französisch bekommt er dabei auch noch irgendwie unter. So viel Wagemut hat man Uhlmann nicht in jeder seiner Schaffensphasen zugetraut.

Die klassischen Hits, die großen Uhlmann-Hymnen, werden über die gesamte Trackliste gestreut. Die Eröffnung "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" hätte nicht größer ausfallen können. Offene Akkorde, schweres Klavier, Chor, treibender Beat und eine Hookline, die sich tief, sehr tief einbohrt. So geht das weiter, mit "Die Nacht war kurz (und ich steh früh auf)" mit Marcus Wiebusch im Refrain, und mit "& Jay-Z singt uns ein Lied", in dem der streitbare Casper mit einer Rap-Passage seinen Teil der Abmachung einlöst. Das kann man alles irgendwie zu viel oder zu gewollt finden, doch mitwippen muss man hier in jedem Fall.

Auch textlich geht Uhlmann einen Schritt weiter, als es das Tomte-Konzept zugelassen hätte. Es gibt hier wenig Hinterfragung und wenig Klage. Im Vordergrund stehen Geschichten über Menschen, für die das Leben eine seltsame Reise ist. Da macht sich der Sänger mit den Heartland-Traditionalisten gemein und klärt den Stand der Dinge vom Mittelpunkt der Welt aus, von dort, wo man eben gerade steht. Das ist einfach, das ist einleuchtend, das ist charmant. Dass der Pate dieser lyrischen Standortbestimmung eher Sven Regener als Jochen Distelmeyer ist, ist dabei auch keine sonderliche Überraschung.

Das schwüle "Sommer in der Stadt" wabert im flirrenden Nebel der erhitzten Großstadt, die passende Gitarrenfigur gibt's dazu. So wird aus "Thees Uhlmann" ein rundes Gitarren-Album, das die ideale musikalische Untermalung fürs Autofahren im Spätsommer ist. Alles fliegt vorbei, und das Sonnenlicht wird langsam rot. "Und wie häufig schlägt Dein Herz / Wie häufig siehst Du himmelwärts / In der Schönheit des Moments / Wenn Du lachst und schreist und rennst" lautet der zentrale Satz des Albums und erklärt damit den persönlichen Ist-Zustand. Im Uhlmannschen Herzland ist vieles golden. Auch wenn das manchmal kitschig ist. Na und?

(Christian Preußer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
  • Sommer in der Stadt
  • Vom Delta bis zur Quelle

Tracklist

  1. Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
  2. Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)
  3. & Jay-Z singt uns ein Lied
  4. 17 Worte
  5. Die Toten auf dem Rücksitz
  6. Sommer in der Stadt
  7. Römer am Ende Roms
  8. Das Mädchen von Kasse 2
  9. Lat: 53.7 Lon: 9.11667
  10. Paris im Herbst
  11. Vom Delta bis zur Quelle

Gesamtspielzeit: 45:40 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Alina
2016-08-26 18:19:51 Uhr
Paris im Herbst ist einfach wunderschön, wenn man mal die Lyrics auf sich wirken lässt und versucht, sie zu verstehen. Dann kommt man hinter den Song. Das musste ich jetzt einwerfen.

Tobson

Postings: 1061

Registriert seit 11.06.2013

2015-05-07 15:45:02 Uhr
Am Allerschlimmsten ist der Paris-Song aber in der französisch gesungenen Version. Bäh... Mag aber damit zusammenhängen, dass ich die französische Sprache sowieso nicht sonderlich mag. Und sie aus Uhlmanns Mund irgendwie auch recht seltsam klingt. ;-)

musie

Postings: 2316

Registriert seit 14.06.2013

2015-05-07 13:57:14 Uhr
ja, Römer am Ende Roms und die Toten auf dem Rücksitz find ich auch immer noch klasse.

Paris im Herbst tatsächlich einer der schlechtesten auch bei mir...

Tobson

Postings: 1061

Registriert seit 11.06.2013

2015-05-07 12:14:53 Uhr
Bei "Römer am Ende Roms" stimme ich dir zu, ist für mich auch nach wie vor der beste Song seiner bisherigen Solokarriere.

"Paris im Herbst" wiederum halte ich für einen der schlechtesten. ;-)
jetzt
2015-05-07 02:08:54 Uhr
fast vier jahre her und koennte immer noch bei pais im herbst und roemer weinen. die 7 punkte sind schon sehr unangemessen
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum