Red Snapper - Key

Red Snapper- Key

V2 / Soulfood
VÖ: 24.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Super Trooper

Mitte der 1990er gab Red Snappers Debütalbum "Prince blimey" Grund genug für die Hoffnung, dass aus diesem sich seltsam windenden Ungetüm namens Postrock durchaus etwas werden könnte. Ein vollkommen stil-, zuweilen gar erfrischend merkbefreiter Crossover beispielsweise, der auch Rhythmik und Elektronik miteinbezog - und dabei derart durch die Grenzgebiete tanzte, dass sich zum Teil nicht mehr sagen ließ, welche Border Patrol jetzt eigentlich zuständig ist. Für Red Snapper waren das schon immer die Joe Cools aus Jazz, Dub, Drum'n'Bass und TripHop - jeweils stilecht ausgestattet mit verspiegelten Aviator-Sonnenbrillen, damit sie sich nicht allzu selbstverliebt in die Augen schauten. Hieraus schmiedeten die drei Londoner wahlweise haarsträubende Jungle-Zappelphillipps, exorbitante Kopfnicker-Beats oder aber schwelgerische Großstadtcrooner, inklusive Twin-Peaks-Gebläse, bauchiger Bass-Slides und Besen-Schlurfbeats. Wenn dazu dann noch MC Det in knielangem Aerobic-Spandex die Hüften schwang, war eine der überlebenswichtigeren Fragen, was genau hier Chill- und was schon Workout ist.

Nach zehn Jahren Pause ist "Key" nun Album Nummer vier in Ali Friends, Rich Thairs und David Ayers Gym für Schwernachvollziehbare. Auf ihm verschieben sie die Kopfnicker mehr in Richtung Rock und Funk, während die Crooner mal verkaterten Barjazz, mal brodelnden Dub oder eben die ein oder andere TripHop-Reminiszenz aufführen. Zunächst scheint das zu sehr geradezurücken, was einst so schön mit sich selbst und allem anderem verschwamm. Doch sobald sich der Hörer die Kickstarts und vor allem die fordernd ploppenden Standbässe von "Chimee", "Fat roller" oder "Loveboat" erst einmal warmgeschüttelt hat, geht es gleich schnurstracks an den eigenen Erwartungen vorbei in Richtung Bigbeat-Highway.

Auch Stimmung machen Red Snapper nach wie vor, wobei "Key" die so unfassbar dichten elf Schlussminuten von "Prince blimey" sicherlich nicht überbieten kann. Ebensowenig ist "In your backs" ein derart wahnwitziger Opener wie einst "Crusoe takes a trip". Trotzdem entwickelt sich der Song in all seiner murmelnden, mit allerlei rhythmischen Ablenkungsmanövern und melodischen Kleinteilen gespickten Atmosphäre zu einem echten Grower. Und während "Off balance" durchaus ergreifend mit Mogwai-Elegie herumspielt, gibt die Stimme von U.N.K.L.E.s Gavin Clark "Architektonik" und "Jack" genau den Vibe zwischen Murmeln und Leiden, den man auch von seiner und Friends Zwischenband Clayhill gewohnt war.

All das kreuzt Neu-Saxophonist Tom Challenger songübergreifend, vor allem aber auf "Take your medicine" und "Eye liner stab", mit einem schönen Gänsequäler-Groove, bevor er bei "You read my cards wrong" im Lichtermeer von Dick Tracys Chicago ebenso ruchlos wie schwermütig versumpft - wobei ihm das Red-Snapper-Trio seine altbewährten, mit Gitarre, Schlagzeug und Bass bleibeschwerten Rettungsringe zuwirft. Nicht nur hier bleiben Red Snapper zwar typisch, vorrangig aber eben für sich selbst. Und auch die Direktheit, mit der "Key" seine Formeln aufsagt, entpuppt sich doch noch als richtige Entscheidung - auf einen zweiten Blick, in dem sich nach wie vor eine Vergangenheit spiegelt, die einst eine bessere Zukunft versprach. Dieser doppelte Boden ist allemal Grund genug.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • In your backs
  • Take your medicine
  • Loveboat
  • Off balance
  • You read my cards wrong

Tracklist

  1. In your backs
  2. Chimee
  3. Biffa bacon
  4. Jack
  5. Spiky
  6. Architectonic
  7. Take your medicine
  8. Loveboat
  9. Eye liner stab
  10. Great first touch
  11. Racing snake
  12. Off balance
  13. Fat roller
  14. You read my cards wrong

Gesamtspielzeit: 63:50 min.

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