Megafaun - Megafaun

Megafaun- Megafaun

Crammed / Indigo
VÖ: 02.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Getrennt glücklich

So ein Bandsplit hat ja bisweilen auch etwas Gutes. Auch wenn nicht wirklich zu ermessen ist, inwiefern sich Justin Vernons Trennung von seinen alten Bandkollegen bei DeYarmond Edison letztendlich in "For Emma, forever ago" niedergeschlagen hat. Oder ob eines der bisher wichtigsten Alben dieses Jahres, nämlich "Bon Iver", eventuell nie entstanden wäre. Klar ist nur, dass sowohl Vernon als auch Brad Cook, Phil Cook und Joe Westerlund mittlerweile ihr Glück gefunden haben. Die letzteren drei veröffentlichen nun als Megafaun mit einem ebenfalls selbstbetitelten Album bereits ihre dritte Studioplatte, die deutlich bluesiger als der Vorgänger "Gather, form and fly" geworden ist. Trotz allem ist auch vieles beim Alten geblieben. Welch ein Glück.

Gleich der Einstieg "Real slow" ist dank der wunderbaren Melodie, des schönen Textes und der warmen Backgroundchöre wohl einer der herzlichsten und beseeltesten Songs, die Megafaun im Repertoire haben. Aber auch die eine oder andere elektronische Soundspielerei findet sich auf diesem Album und nimmt den harmonischen Folk von Songs wie "These words" ganz gepflegt nebenbei auseinander, um den Wohlklang nicht Überhand gewinnen zu lassen. Im Anschluss wartet mit "Get right" ein achtminütiger Gniedelrocker und mit dem spirituellen "Hope you know" eine große, amerikanische Ballade inklusive schleppend verhallte Schepperdrums, die auch vom alten Kumpel Vernon stammen könnte.

Doch wenn Megafaun einem scheinbar weismachen wollen, dieses Album zerfleddere sich mit den wild durcheinanderwirbelnden Bläsern von "Isadora" und verabschiede sich anschließend ins Jenseits, setzen sich die Herren aus North Carolina wieder gemeinsam an einen Tisch. Und liefern mit "Second friend" einen fröhlig-luftigen Hofknicks vor den Beatles, während bei "Resurrection" Neil Young tiefe Spuren hinterlassen hat. Genauso wie in "Kill the horns", das außerdem aufgrund seiner freudig umherklimpernden Gerätschaften dem verzüglichen Opener in nichts nachsteht.

Immer dann, wenn Megafaun richtig anschmiegsam sein wollen und die Songs pointiert zu Ende gebracht werden, ist diese Platte am stärksten. Und braucht sich vor dem bisher besten Album "Gather, form and fly" nicht zu verstecken. Auch wenn den dreien hier und da ein wenig die Kreativität entgleitet und die andächtige Schönheit mit dekonstruktivistischem Lärm wie "Post/script" und dem eben thematisierten "Isadore" durchbrochen wird. Glücklicherweise reißen sich Megafaun aber immer wieder zusammen und bescheren diesem Album mit "Everything" ein würdiges Folk-Ende. Und wenn sie auch in Zukunft so weitermachen, dann fällt die Trennung von Publikumsliebling Vernon nicht weiter ins Gewicht. Sie können nämlich immer noch sehr gut ohne ihn.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Real slow
  • Hope you know
  • Kill the horns

Tracklist

  1. Real slow
  2. These words
  3. Get right
  4. Hope you know
  5. Isadora
  6. Second friend
  7. Resurrection
  8. Kill the horns
  9. Scorned
  10. Serene return
  11. You are the light
  12. State/Meant
  13. Post/Script
  14. Everything

Gesamtspielzeit: 54:29 min.

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