The Feeling - Together we were made

The Feeling- Together we were made

Island / Universal
VÖ: 26.08.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Weiche Knie

Wenn man nicht weiß, was man sagen soll, hilft - wenn man Glück hat - ein Loriot-Zitat. "Vielleicht stimmt da mit Deinem Gefühl was nicht", wäre im Fall des neuen Werkes von The Feeling durchaus passend. Nur, dass auf "Together we were made" das Ei nicht zu hart, sondern zu weich gekocht ist. Zugegeben, eine allzu große Überraschung ist das natürlich nicht, schließlich haben die Briten bereits auf ihrem 2006 erschienenen Debüt "Twelve stops and home" und auch auf dem zwei Jahre später veröffentlichten "Join with us", beide trotzdem überaus gelungen, der softrockigen Melodieseligkeit den Flaum gekrault. Mittlerweile hat sie allerdings so einen Bart - und der wächst auch noch direkt in die Ohren hinein.

Mit anderen Worten: The Feeling haben nach wie vor Melodien für Millionen in ihrem Bauchladen. Weil ihr letztes Album sich jedoch nur sehr schleppend verkaufte, sie aber gerne weiterhin den Vertrag beim Major-Label behalten wollten, musste ihre Musik zum Kommerzchirurgen. Es kamen Elektroschocks zum Einsatz. Das britische DJ- und Produzentenduo The Freemasons, die eine Hälfte wiederum eine Hälfte von Phats & Small, hat hier und da Hand angelegt, damit der Sound mehr in die Beine geht. Hat bei ihren Remixes für Kylie Minogue, Jamiroquai, Fatboy Slim, Beyoncé und Jay-Z ja schließlich auch prima geklappt. Nur klingt das bei The Feeling eher wie der Soundtrack zu einer Neunziger-Jahre-Bad-Taste-Party. Fehlt nur noch ein Gastauftritt von Dr. Alban.

Der Opener "Set my world on fire" fackelt nicht lange, sondern verkohlt sein Potenzial gleich mit schamlosem Calypso-Beat und Tribal-Tralala, das nur noch von der poetischen Refrainzeile "Set my world on fire / I love you more every day" getoppt wird. "A Lion King number, sung by Cliff Richard", meinte der NME dazu. Uns fallen leider keine Gegenargumente ein. Immerhin ist diese erste UK-Single weitaus empfehlenswerter als die Vorab-Auskopplung hierzulande: eine unnötige Cover-Version des Men-Without-Hats-Gassenhauers "Safety dance", vor der man sich tunlichst in Sicherheit bringen sollte. Auch "Build a home" und "Searched every corner" klingen wie direkt aus der Discounter-Hitfabrik. Zu diesen digitalen Gefühlssimulationen möchte man sich glatt eine Analogkäseplatte bestellen.

Wer immer noch nicht glauben mag, dass "Together we were made" tatsächlich nur Tiefpunkte zu bieten hat, liegt dann aber doch richtig: "Dance for the lights" steht sein Disco-Outfit mindestens so gut wie der Gastgesang von Róisín Murphy, "Leave me out of it" ist das lange erwartete Duett mit Sophie Ellis-Bextor, Gattin von Bassist Richard Jones, und die Wartezeit auf das nächste Mika-Album kann man sich von "A hundred sinners (Come and get it)" versüßen lassen. "Say no" sagt ja zu einer wunderbaren Schunkelballade samt Richard-Clayderman-Piano, "Undeniable" poliert dem Glamrock das Krönchen, und der Rest, nun ja, der ist halt so lala. Mit Betonung auf "lala". Eine Ausnahme gibt es aber noch: den sehr hübschen, nur von einer Akustikgitarre begleiteten Hidden Track "Hardest stone". Frontmann Dan Gillespie Sells will eben doch nicht nur Platten, sondern vor allem Gefühl verkaufen. Für 'n Appel und 'n zu weich gekochtes Ei.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Dance for the lights (feat. Róisín Murphy)
  • Leave me out of it (feat. Sophie Ellis-Bextor)
  • Say no
  • Hardest stone (Hidden track)

Tracklist

  1. Set my world on fire
  2. Dance for the lights (feat. Róisín Murphy)
  3. Another soldier
  4. Leave me out of it (feat. Sophie Ellis-Bextor)
  5. Build a home
  6. Searched every corner
  7. A hundred sinners (Come and get it)
  8. Mr. Grin
  9. Say no
  10. Back where I came from
  11. Another life
  12. Love and care
  13. Undeniable
  14. Safety dance (Bonus track)

Gesamtspielzeit: 59:31 min.

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