Touché Amoré - Parting the sea between brightness and me

Touché Amoré- Parting the sea between brightness and me

Deathwish / Indigo
VÖ: 05.08.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ungeteilte Aufmerksamkeit

20 Minuten müssen reichen. Länger kann sich heutzutage sowieso niemand mehr konzentrieren. Ablenkungen warten schließlich hinter jeder Ecke. In Zeiten stark verkürzter Aufmerksamkeitsspannen und überall blinkender Lichter, Tweets und Facebookeinträge, die den Konsumenten von einem Youtube-Video zum nächsten jagen, braucht es manchmal schon eine saftige Backpfeife, damit man hinsieht und -hört. Touché Amoré haben 13 solcher Backpfeifen auf Platte festgehalten und damit das Album für all jene aufgenommen, die Fucked Ups "David comes to life" nur in kleinen Portionen ertragen.

20 Minuten also. Genau ein Song auf "Parting the sea between brightness and me" quält sich über die Zwei-Minuten-Grenze. Mehr gibt es nicht. Damit reiht sich die Band auf jeden Fall quantitativ in die Reihe der großen Hardcore-Platten der 80er Jahre ein: Hüsker Düs "Everything falls apart", das Minutemen-Debüt "The punch line" oder Descendents' "Milo goes to college". Alle diese Platten kann man in der großen Pause zwischen Mathestunde und Sportunterricht hören. Glücklicherweise brauchen sich Touché Amoré auch qualitativ nicht vor solchen Vorbildern zu verstecken. Ihr zweites Album ist zwischen den ersten Zeilen "I'm parting the sea between brightness and me / Before I drown myself and everyone and everything" und den abschließenden, versöhnlichen Akkorden von "Amends" ein einziger Gänsehautmoment.

Sänger Jeremy Bolm legt so viel Verzweiflung und Wut in seine raue, aber dennoch glasklare Stimme, dass man seine großartigen Texte sofort an die nächste Rathauswand sprühen möchte. "If actions speak louder than words / I'm the most deafening noise you've heard", heißt es zum Beispiel in "~". Der Rest der Band spielt dazu klassischen Hardcore-Punkrock ohne weiteren Firlefanz. Der Sound ist messerscharf, und die Produktion ist weit weg vom Do-it-yourself- und Lo-Fi-Klang der 80er-Platten - die Songs aber sind deswegen noch lange nicht weniger kompromisslos.

In der Mitte des Albums kulminieren die atemlosen Übergänge zwischen den gerade mal einminütigen Highspeed-Attacken "Uppers / Downers" und "Crutch" in der wie von Sinnen hämmernden Anklage "I can't keep having the same conversations / I look to the floor to keep concentration", mit der "Method act" die erste Hälfte des Albums begräbt. Dann gibt es zwar in den ersten 20 Sekunden von "Face ghost" eine kurze Ruhepause, aber ihre Munition haben Touché Amoré noch lange nicht verschossen. "Wants / Needs" ist soviel Rock'n'Roll, wie Hardcore sein kann, und "Condolences" kriegt es gar hin, nur mit Klavierbegleitung die gleiche Intensität zu erreichen wie der Rest des Albums. Touché Amoré schreien und spielen alles nieder, was die Aufmerksamkeit des Hörers ablenken könnte - und für 20 Minuten zählen nur das brennende Gefühl im Gesicht, die in die Höhe gereckte Faust und die Gewissheit, am Leben zu sein.

(Maik Maerten)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • ~
  • Method act
  • Wants / Needs
  • Amends

Tracklist

  1. ~
  2. Pathfinder
  3. The great repetion
  4. Art official
  5. Uppers / Downers
  6. Crutch
  7. Method act
  8. Face ghost
  9. Sesame
  10. Wants / Needs
  11. Condolences
  12. Home away from here
  13. Amends

Gesamtspielzeit: 20:48 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum