Hush Puppies - The bipolar drift

Hush Puppies- The bipolar drift

Differ-Ant / Cargo
VÖ: 26.08.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die französische Tragödie

Es ist natürlich nicht fair. Doch irgendwie scheint es, als kämen viele aus dem Rest der Welt nicht klar mit Frankreich, diesem kleinen Fleckchen Land im Westen Europas. Sei es das Essen, das auf Froschschenkel und Unmengen von Rotwein reduziert wird, oder deren Präsident, dessen unpolitische Gattin Carla Bruni beim Volk mittlerweile beliebter ist. In den Nachrichten hört man stets von brennenden Autos und wütenden Aufsässigen in den Vorstädten, anstatt von brennenden Herzen und glücklichen Verliebten in der Hauptstadt. Und bei Musik hört es bei den meisten dann ganz auf. Natürlich sind das alles nur Vorurteile. Trotzdem wundert es kaum, dass die Pariser Band Hush Puppies ihre französische Herkunft am liebsten ganz verstecken würde.

Deren drittes Album "The bipolar drift" würde nun gerne jene Revolution starten, die die beiden Vorgänger "The trap" und "Silence is golden" verpasst haben. Was vor allem daran gelegen haben könnte, dass alles, was darauf zu hören bekam, andernorts bereits viel besser vertont wurde. Der ewige Vergleich mit fast jeder derzeit angesagten Band aus England oder Schweden stand auf der Tagesordnung, und es gab zu wenig, was sie von ihnen abheben könnte. Das soll "The bipolar drift" nun ändern. Die Schrammelgitarren wurden um ein Vielfaches reduziert und kommen nur in wenigen Ausnahmen zum Vorschein, wie etwa im durchaus gelungenen Opener "Open season", der im wahrsten Sinne des Wortes die Jagd eröffnet. Doch Hush Puppies halten ihr Versprechen nach jeder Menge Neuem nicht lange: Bereits "Stop" erinnert so unverschämt an Black Rebel Motorcycle Club, das der Hörer schon mit einem heftigen Zucken vorm CD-Regal steht, um lieber deren Alben rauszukramen.

"Zero one" und "Rodeo" schwingen bedrohlich mit der 80er-Jahre-Keule, auf der groß "Joy Division" geschrieben steht, verfehlt dabei aber das eigentliche Ziel. "Frozen battle" hingegen macht endlich alles richtig: Von der hypnotischen Bassline bis hin zum einhämmernden "Hey hey hey"-Refrain bleibt hier der große Song einer Band im Ohr, den man ihr vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Ähnlich verhält es sich mit "Okinawa living wage", das in guter alter 60s-Manier zum Tanzen einlädt und dabei so herrlich unaufdringlich daherkommt. Natürlich lassen Hush Puppies auch auf "The bipolar drift" das Klauen nicht, und natürlich klingt das alles wie schon mal gehört. Aber ebenso sicher ist, dass die hartnäckigen Franzosen auch einen nächsten Versuch starten werden, um von ihrer Heimat aus die ganze Welt zu erreichen. Fragt sich nur, ob ihnen dann noch jemand zuhören möchte.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Open Season
  • Frozen battle
  • Twin sister

Tracklist

  1. Open season
  2. Okinawa living wage
  3. Stop
  4. Low compromise democracy
  5. Zero one
  6. Every night I fight some giant
  7. Frozen battle
  8. A dog day
  9. Poison apple
  10. Rodeo
  11. Twin sister

Gesamtspielzeit: 39:30 min.

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